Aktivitäten für ein verbessertes Verständnis und einen erhöhten Stellenwert der Wissenschaft

Icon Politik & GesellschaftVor wenigen Tagen hat Ralph Cicerone, der Präsident der amerikanischen National Academy of Sciences (NAS), einen Brief an deren Mitglieder gesandt, in welchem er Aktivitäten aufzählt , die zu einem verbesserten Verständnis der Wissenschaft*) und zur Erhöhung ihres Stellenwerts in der Bevölkerung beitragen sollen. Die Aussagen Cicerones treffen auch auf unser Land zu, die von ihm genannten Aktivitäten könnten auch bei uns helfen, den alarmierend niedrigen Stellenwert der Wissenschaft zu verbessern. Mit Zustimmung von Ralph Cicerone erscheint sein Brief ungekürzt, aber in deutscher Übersetzung, auf ScienceBlog.at.

Brief des Präsidenten der Nationalen Akademie der Wissenschaften (US) an die Mitglieder.

Ralph J. CiceroneLiebe Kollegen,

viele von uns sind besorgt über die Einstellung der Öffentlichkeit zur Wissenschaft. Wir wissen, dass es der Bereitschaft der Bevölkerung, deren Verständnis und deren Unterstützung bedarf, um wissenschaftliche Forschung zu finanzieren und die schulische Erziehung und Ausbildung auf den Gebieten der Wissenschaft zu verbessern. Wir wissen auch, dass Sensibilisierung der Öffentlichkeit und Engagement nötig sind, damit unsere Gesellschaft das Wertesystem der Wissenschaft annimmt und sich beispielsweise auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützt, um öffentliche Entscheidungen zu lenken. Wenn es hier auch einige ermutigende Signale gibt, so wird man dennoch das Gefühl nicht los, dass sich die Haltung der Öffentlichkeit zur Wissenschaft verschlechtert.

Als ich Präsident der NAS wurde, wollte ich diesen Aspekt prüfen und versuchen, die Einstellung der Öffentlichkeit zu Wissenschaft und Wissenschaftern zu verbessern. Jetzt, in Zeiten eines äußerst knappen staatlichen Budgets für Forschung und einigen Kontroversen auf manchen wissenschaftlichen Gebieten, erscheint es noch dringlicher zu sein, die Einstellung zur Wissenschaft zu analysieren und zu verbessern. Deshalb möchte ich von einigen Initiativen berichten, welche die NAS unternommen hat.

Untersuchungen zur Kommunikation, Prioritäten

Vor einigen Jahren, noch bevor irgendwelche neuen Initiativen zur Kommunikation gestartet worden waren, suchte ich nach Antworten auf die Fragen: „Welche Einstellung haben Amerikaner zur Wissenschaft und wie hat sich diese über die Zeit verändert?“ Ich konnte hier zwar keine direkte Antwort finden, aber nützliche Informationen beispielsweise vom Nationalen Forschungsrat (NSF), vom National Science Board, von den Harris-Umfragen und von Research!America. Um es kurz zu machen, die amerikanische Bevölkerung hat eine überwiegend positive Einstellung zur Naturwissenschaft, die höher ist als in den meisten anderen Nationen, die Unterstützung ist aber oberflächlich. Die Kongress-Mitglieder neigen zur Ansicht – und dies in höherem Maße als vor dreißig Jahren -, dass Wissenschaft gut für die Wirtschaft ist. Wissenschafter genießen hohes Ansehen im Vergleich zu Beschäftigten in anderen Berufen. Allerdings kennen die meisten Amerikaner keinen Wissenschafter persönlich. Auf die Frage (von Research!America) nach dem Namen eines Wissenschafters, waren die häufigsten Antworten: „Albert Einstein“ und „Carl Sagan“ aber kaum der Name eines lebenden Wissenschafters.

Es war auch wichtig zu erfahren, daß die NAS bei „dem Mann oder der Frau von der Straße“ nicht besonders bekannt ist. Allerdings kennen und respektieren die NAS viele Entscheidungsträger in Politik und Geschäftsleben, in Erziehung und Forschung. An vielen Plätzen des Landes gibt es vertrauenswürdige Institutionen – Universitäten, Museen, zivilgesellschaftliche Gruppen und andere Organisationen – die von angesehenen Personen geleitet werden, denen die NAS sehr wohl ein Begriff ist.

Mehr denn je ist es auch klar, dass Kommunikation aus Sprechen und Zuhören bestehen muss.

Dies ist das Szenario - was kann die NAS hier unternehmen? In diesem Brief möchte ich kurz über unsere Bemühungen berichten, die darauf ausgerichtet sind die Einstellung der Öffentlichkeit zu den Naturwissenschaften und ihr Engagement in diesen Disziplinen zu verstehen und zu verbessern. Wir haben Initiativen der NAS zur Kommunikation mit der Bevölkerung (einschließlich des Zuhörens) gestartet oder ausgeweitet, wobei hauptsächlich Personen mit hohem Bildungsniveau, gewählte Amtsträger und andere Personen angesprochen werden, die uns bereits kennen, oder mit örtlichen, angesehenen wissenschaftlich ausgerichteten Institutionen vertraut sind.

Aktivitäten der NAS zur Kommunikation mit der Öffentlichkeit

Verteilen der Berichte des Nationalen Forschungsrats (NRC) und des Instituts für Medizin (IOM)

Wie Sie wissen, veröffentlicht der NRC häufig Berichte zu vielen Themen, die oft wichtige und dringende, aktuelle Probleme ansprechen. Diese Berichte werden von Untersuchungsgremien verfasst, die von der NAS, der National Academy of Engineering (NAE) und dem IOM zusammengestellt, und von Fachexperten im Sinne des Peer Review geprüft werden. Die Mitglieder der Gremien und ebenso die Prüfer arbeiten ehrenamtlich. Über Jahre hinweg haben NAS-Beamte, Ratsmitglieder und unsere Mitarbeiter Wege gesucht im die Berichte breiter und kostenlos zu verteilen. Unsere Berichte, ebenso wie aktuelle und frühere Ausgaben der Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) waren bereits seit langem für Entwicklungsländer kostenlos online zugänglich. Vor wenigen Jahren ist es uns gelungen das Ziel, unsere Berichte für jedermann zugänglich zu machen, zu erreichen, indem wir diese breiter und kostenlos verteilten, Druckexemplare aber nach wie vor verkauften. In Erweiterung eines anderen Anliegens aus der Vergangenheit entwickeln und verteilen wir kürzere und leichter lesbare Versionen und Zusammenfassungen, die für eine breite Leserschaft geschrieben sind. Auf diese Weise kann die hervorragende Arbeit der ehrenamtlichen Experten, der NAS-Mitglieder und unserer Mitarbeiter besser bekannt und für unsere und andere Nationen rund um die Welt nutzbringend werden.

Das Programm „Botschafter (Ambassador) für Wissenschaft und Technologie“

In Partnerschaft mit der Gemeinde von Pittsburgh hat die NAS ein neues Pilot Programm entwickelt, in welchem sich wissenschaftliche und technologische Forschung den wichtigen Fragen und Sorgen der Pittsburgher Bevölkerung widmen soll, wobei zunächst die Frage der Energieversorgung im Brennpunkt steht. An dem Programm sind Naturwissenschafter und Technologen beteiligt, die - in und um Pittsburgh herum – Energie bezogene Forschung an Universtäten, in staatlichen Einrichtungen und in der Privatindustrie betreiben. Dieses „Botschafter Programm“ entstand aufbauend auf der Hochachtung, welche die Bevölkerung für Wissenschafter und Technologen empfindet und auch, um der Notwendigkeit eines allgemein besseren Verständnis für wissenschaftliche Belange begegnen zu können.

Das Zielpublikum des Botschafter-Programms sind Personen, deren Ideen und Meinungen andere Personen in der Gemeinschaft beeinflussen. Diese Meinungsführer kommen aus unterschiedlichen Berufen und Lebensentwürfen, sie sind Lehrer, Führungskräfte in der Wirtschaft, politische Entscheidungsträger, Leiter von Nachbarschaftsprogrammen, Studenten und Vertreter der Medien. Sie inkludieren jene Teilnehmer, die über eine Reichweite in ihrer Gemeinde verfügen, ebenso wie jene, die eine Plattform zur Verbreitung von Wissen haben und Beziehungen innerhalb der Gemeinschaft aufbauen können.

Veranstaltungen für das Botschafter-Programm in Pittsburgh werden auf das Ziel hin entwickelt nicht nur das Verständnis der Bevölkerung für Energie bezogene Wissenschaften zu verbessern, sondern auch ein Verstehen bei den Wissenschaftern und Technologen für das, was die Öffentlichkeit wissen möchte, zu schaffen. In Zusammenarbeit mit Partnern aus der Gemeinde werden die Mitarbeiter dann Programme entwickeln, die zu den Plänen der Partner und den Interessen der Angesprochenen passen, wobei vor allem auf interaktive Veranstaltungen Wert gelegt wird, welche Unterhaltung und Dialog ermutigen. Wir haben ein Team erfahrener Wissenschafter und Technologen aus dem akademischen Umfeld, der Industrie und dem staatlichen Bereich ausgewählt , die als Botschafter der Wissenschaft dienen sollen. Jeder von diesen insgesamt 25 Botschaftern wurde eingeladen einen oder zwei Studenten oder Wissenschafter am Beginn ihrer Karriere auszuwählen, die er über die Dauer des Projekts betreut.

Die Wahl Pittsburghs als Ausgangspunkt des Programms erfolgte aus mehreren Gründen. Es beherbergt eine eindrucksvolle Zahl von Spitzenwissenschaftern- und Technologen, die an führenden Universitäten forschen und lehren und es steht auch im Mittelpunkt der Diskussionen über Energiefragen. Das Gebiet um Pittsburgh ist Sitz von Firmen und Aktivitäten in einer Reihe Energie relevanter Industrien – Kohle, Erdgas, Solar- und Windenergie – und von führenden Wirtschaftstreibenden, die an der Entwicklung der Gemeinschaft reges Interesse zeigen. Die Region zeichnet sich auch durch ein dichtes Netzwerk von Museen und anderen kulturellen Stätten aus. Zudem haben sich die Pittsburgher als erfolgreich im Zusammenarbeiten erwiesen. Die Stadt ist groß genug, um die, für ein effizientes Programm nötigen Schlüsseleinrichtungen bieten zu können, aber dennoch klein genug, um den Dialog mit einer Bevölkerung zu ermöglichen, die einen beeindruckenden Geist von Kooperation ausströmt.

Die NAS arbeitet mit der NAE in diesem Programm zusammen.

Wenn es sich erfolgreich erweist, wird das Programm auf andere Gebiete ausgeweitet, die für die Gesellschaft der Gegenwart wichtig sind, wie beispielsweise auf Infektionskrankheiten und Klimawechsel. Ähnliche Programme werden für andere Städte im ganzen Land etabliert, um Wissenschaft und Technologie als Ansprechpartner für die Sorgen der Bevölkerung verfügbar zu machen.

Das Programm „Wissenschaft & Unterhaltung im Austausch“ („Exchange“)

Das Prinzip dieser NAS-Aktivität liegt darin, dass die Träger der Unterhaltungsindustrie, beispielsweise TV- und Filmschaffende, wissen, wie man auf breiter Basis kommuniziert und, dass Unterhaltung einen großen kulturellen Einfluss ausübt, sei es zum Besseren oder zum Schlechteren. Zum Start dieser Aktivität hat der Zufall in Sinne von Serendipity eine größere Rolle gespielt als formale Untersuchungen und Analysen von Gelegenheiten und Bedürfnissen. Ich hatte Unterlagen und Filme gesehen, welche die California Proposition 71, welche die Stammzellenforschung finanzierte, und verschiedene Formen medizinischer Forschung unterstützten und von den beruflichen Hollywood-Unterhaltern Janet und Jerry Zucker produziert worden waren. Das Ehepaar Zucker traf sich mit mir und diskutierte sehr hilfreiche und kreative Ideen zu medizinischen Wissenschaften und zur Naturwissenschaft im Allgemeinen. Viele weitere Diskussionen folgten und die Zuckers begannen einige ihrer Kollegen aus Hollywood in die Partnerschaft mit dem NAS einzubeziehen um das zu entwickeln, was zum „Exchange“ Programm wurde.

„Exchange“ wurde geschaffen mit den Zielen: (a) Wissenschafter mit Drehbuchschreibern, Produzenten und Direktoren zusammenzubringen, um Beratung in allen Stadien der Produktion (Konzepte, technische Fragen, Skripte, Design am Set) zu haben und (b)um Veranstaltungen für Wissenschafter und Unterhaltungsbranche zuwege zu bringen zur Diskussion der Möglichkeit Wissenschaft in den populären Medien zu verankern. Über die fünf Jahre seines Bestehens hat „Exchange“ mehr als 800 Beratungen und eine eindrucksvolle Liste von Veranstaltungen quer durch viele naturwissenschaftliche Disziplinen organisiert – alles von einem kleinen Büro in Los Angeles aus. Zahlreiche NAS-Mitglieder und viele unserer wissenschaftlichen Kollegen haben an beiden Formen der „Exchange“ Aktivitäten teilgenommen.

Wenn „Exchange“ auch nicht direkt aus unseren frühen Untersuchungen und unseren Prioritäten zur Kommunikation entstanden ist, so erweist er sich nun als sehr wertvoll. Es zeigt sich bereits ein bemerkenswerter Einfluss auf den wissenschaftlichen Inhalt bestimmter Filme und TV-Serien und es wurden gute Beziehungen zwischen Führern in der Unterhaltungsbranche und einzelnen Wissenschaftern aufgebaut. In einigen prominenten Fällen hat sich die Beschreibung von weiblichen Wissenschaftern stark positiv verändert.

Eine neue Version der Carl Sagan PBS Serie Cosmos (Start on Fox, 9. März 2014) wurde vom Mitglied des Austausch- Beirats Seth Farlane produziert unter dem langjährigen Befürworter des Programms , Dr. Neil deGrasse Tyson. Der Beginn dieser Serie lässt direkt bis zum Start des „Exchange“ Projekts zurückverfolgen, als McFarlane und Tyson einander vorgestellt wurden. Das Magazin Parade hat diese Veranstaltung in seiner Titelstory über Dr. Tyson im Jänner beschrieben und ein unabhängiger Bericht erfolgte am 2. März d.J. in der New York Times. Die neue Fox-Serie hat ein enormes Potential Millionen Zuseher zu erreichen, die ansonsten kaum wissenschaftlichen Inhalten ausgesetzt sind. „Exchange“ ist auch an Ideen interessiert, die in der Wissenschafts-Erziehung eingesetzt werden können. In Hinblick auf alle diese Begründungen hat NAS wesentliche Unterstützung erfahren von der Gordon and Betty Moore Foundation, vom Howard Hughes Medical Institute, von der Research Corporation for Science Advancement, der Alfred P. Sloan Foundation, dem California Endowment, von Mr. and Mrs. Zucker, Dr. Patrick Soon-Shiong, UCLA, einzelnen Mitgliedern des Presidents Circle und anderen

Das USA Wissenschaft & Technologie Festival

Die NAS ist auch in das USA Wissenschaft & Technologie Festival involviert, ein öffentliches Straßenfest, welches die Rolle von Wissenschaft & Technologie für die Gesellschaft feiert und Gäste zu Demonstrationen einlädt. Mehrere dieser Festivals finden in Städten statt, New York, San Diego und san Francisco mit eingeschlossen. In Washington haben NAS und NAE geholfen das National Festival im Jahr 2010 zu gründen, unser Koshland Science Museum und die American Association for the Advancement of Science (AAAS) haben sich angeschlossen. Die wesentliche Aufgabe des Festivals ist es, eine nächste Generation anzuregen Berufe in Wissenschaft und Technologie zu ergreifen und zu kommunizieren, welche Rolle Wissenschaft und Technologie in der heutigen Gesellschaft spielen. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei unterrepräsentierten Gruppen von Studenten, Lehrern und Familienangehörigen von Soldaten zuteil. Viele Freiwillige haben teilgenommen die NAS darzustellen, unsere Mitglieder und NAS-und NRC-Mitarbeiter miteingeschlossen. Wie aus der großen Zahl der Besucher geschlossen werden kann, hat die Bevölkerung von Washington und Umgebung das Spektakel begeistert aufgenommen.

Die Arthur M. Sackler Kolloquien über Wissenschaftskommunikation

Eine Stiftung von Jillian Sackler zum Andenken an ihren Gatten Dr. Arthur M. Sackler im Jahr 2001 hat uns ermöglicht im Laufe der Jahre zu Sackler Kolloquien über viele unterschiedliche Themen einzuladen, welche dann häufig in Sonderausgaben von PNAS ihren Niederschlag fanden. Zu zwei solchen Kolloquien über „Die Wissenschaft der Wissenschaftskommunikation“ (im Mai 2012 und September 2013) haben wir eingeladen mit Zielvorstellungen wie: (i) die Beziehungen zwischen Wissenschaftern und Öffentlichkeit verstehen zu lernen, (ii) die wissenschaftliche Basis für effiziente Wissenschaftskommunikation zu erfassen und (iii) unsere institutionellen Kapazitäten der Beweis-gestützten Kommunikation zu verbessern. Renommierte Vortragende und Teilnehmer, die in verschiedenen Gebieten aktiv sind, haben wesentlich zur Beschreibung von Problemen und Erfolgen in der Wissenschaftskommunikation beigetragen. Das zweite, drei Tage dauernde Kolloquium war auch als Webcast für zusätzliche 11 000 Teilnehmer zugänglich. Ein Sammlung von Beiträgen zum ersten Kolloquium wurde 2013 im Augustheft von PNAS publiziert[1], eine interessante Zusammenfassung des zweiten Kolloquiums wurde 2014 von der National Academic Press herausgegeben [2], die entsprechenden Artikel werden im Sommer in PNAS erscheinen. Ich empfehle Ihnen diese Publikationen, wenn Sie an den derzeitigen wissenschaftlichen und berufsmäßigen Ansichten zu Themen interessiert sind wie:(i) schwierig zu kommunizierende wissenschaftliche Inhalte, (ii) Einstellung der Öffentlichkeit zur Wissenschaft und (iii) soziale, kulturelle, wirtschaftliche und politische Einflüsse auf die Wissenschaftskommunikation.

Auszeichnungen für Kommunikation

Durch unsere National Academies Keck Futures Initiative (NAKFI) werden jährlich vier Preise zu je $ 20 000 $ an Personen oder Gruppen vergeben, die im vergangenen Jahr kreative, originelle Beiträge entwickelt haben, um Themen und Fortschritte in Wissenschaft, Technologie und /oder Medizin für die breite Öffentlichkeit verständlich zu machen. Die vier Kategorien, in denen Preise verliehen werden, sind: Buch, Film/Radio/Fernsehen, Magazin/Zeitung und online.

Diese Auszeichnungen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gesamtstrategie nicht nur neue Forschung anzuregen, sondern auch ein breites öffentliches Interesse und Verstehen. verschaffen den Kommunikatoren Anerkennung in ihren jeweiligen Berufen, um diese Personen und andere zu ermutigen darin fortzufahren die Begeisterung, Chancen und Risiken der Forschung zu vermitteln und ein breites öffentliches Verständnis zwischen staatlichen und privaten Entscheidungsträgern und der Bevölkerung zu bewirken. NAKFI-Communications Preise werden seit 2003 vergeben.
Die Preisträger werden in einer Zeremonie im NAS-Gebäude geehrt und der Sieger in der Kategorie Buch hält häufig eine „Buch und Autor Rede“ anlässlich des jährlichen NAS-Treffens. Eine Reihe der Nominierten hat uns erzählt, daß die Preise in Journalistenkreisen weite Anerkennung finden.

Broschüren zur Beschreibung der Vorteile von Grundlagenforschung

Aus der Grundlagenforschung resultieren andauernd Nutzanwendungen, die unvorhersehbar und häufig überraschend sind. Diese Vorteile können kommerzieller, medizinischer, landwirtschaftlicher Natur sein oder, beispielsweise, der nationalen Sicherheit dienen und sie können schnell auf eine grundlegende Entdeckung folgen oder auch erst Dekaden später. Der NAS-Rat hat eben ein neues Projekt gestartet, welches kurze Broschüren über aktuelle, derartige Beispiele herausgibt um die breite Öffentlichkeit und nationale Entscheidungsträger auf den aus der Grundlagenforschung kommenden „überraschenden Nutzen“ („Surprising Payoffs“) hinzuweisen. Solche Broschüren wurden von der NAS in den 1990er Jahren produziert (mit dem Titel: „Beyond Discovery“). Die Produkte „Surprising Payoffs“ werden im Druck und online, zur Verteilung und Archivierung, vorliegen und ab 2015 erscheinen. Die erste Gruppe an Beispielen wird sich mit Sozial- und Verhaltenswissenschaften beschäftigen, spätere Folgen werden andere wissenschaftliche Gebiete abdecken.

Um nun abzuschließen – ich habe die Aktivitäten der NAS kurz zusammengefasst, welche zum Ziel haben das Verständnis für und die Einstellung zur Wissenschaft in der Bevölkerung zu verbessern. Öffentliche Kommunikation spielt eine Rolle in anderen NAS-Aktivitäten, wie dem Koshland Science Museum, den Kulturprogrammen der NAS und der Vorlesungserie „Distinctive Voices” am Beckman Center in Irvine, California. Zusätzlich gibt die NAS Fragen & Antworten zur Wissenschaft heraus und anderes Titelseiten-Material [3] in Ergänzung zu den wissenschaftlichen Artikeln. Das neue Büchlein “ Klimawandel: Beweise und Ursachen“ [4] ist eine Gemeinschaftsproduktion der NAS und der Royal Society (erschienen am 27. Feber als Publikation und interaktive Website) mit Unterstützung von Dr. und Mrs. Raymond Sackler und hat das Ziel einen komplexen Sachverhalt der Öffentlichkeit zu erklären.

Unsere Aktivitäten zur Kommunikation sind größtenteils auf langfristige Verbesserungen ausgerichtet. Diese und ähnliche zukünftige Aktivitäten werden andauernden Aufwand über lange Zeit benötigen.

Es ist uns bewusst, dass ernste und dringliche Probleme zu lösen sind, beispielsweise Probleme im Unterrichten der Evolution, Argumente, welche den Klimawandel als Betrug hinstellen, Ablehnung von genetisch verändertem Getreide, Gefühle“ aus dem Bauch“ gegen Impfungen, jährlich sich wiederholende Kämpfe um das staatliche Budget, ein genereller Mangel an Verständnis für den wissenschaftlichen Prozess (wie sich dieser selbst korrigiert und den Fortschritt der Gesellschaft bedingt) und Wissenschaft als ein internationaler Wettbewerb. Die Wichtigkeit der in der Wissenschaft liegenden Chancen für alle K-12 Schüler und für junge Doktoranden ist eine Botschaft, die andauernd betont werden muss. Auch Kommunikation über korrektes Verhalten in den Wissenschaften ist ein sehr wichtiges Thema, das unserer Aufmerksamkeit bedarf.

Ich habe versucht diese wichtigen Themen bei vielen Gelegenheiten im vergangenen Jahr anzusprechen, als wir das 150-jährige Bestehen der NAS feierten. Allerdings, um es nochmals zu erwähnen, da es sich um die Einstellung der Öffentlichkeit handelt, müssen wir uns langfristigen Anstrengungen unterziehen um mit der Bevölkerung zu interagieren.

Jede der oben erwähnten Aktivitäten wurde ermöglicht durch die freiwilligen Arbeiten von Mitgliedern der NAS, von vielen anderen Wissenschaftern und von unseren fachlichen Mitarbeitern, die auch viel Zeit geopfert haben. Barbara Kline Pope hat eine Schlüsselrolle gespielt, ebenso wie die frühere NAS-Vizepräsidentin Barbara Schaal.

Bitte, senden Sie mir Ihre Antworten und berichten Sie über ähnliche Öffentlichkeitsarbeit von Ihrer Seite.

Mit besten Grüßen,
Ralph J. Cicerone, President
National Academy of Sciences


[1] http://www.pnas.org/content/110/Supplement_3
[2] http://www.nap.edu/catalog.php?record_id=18478
[3] http://frontmatter.pnas.org/
[4] http://nas-sites.org/americasclimatechoices/events/a-discussion-on-clima...

* Mit dem im Original durchgehend verwendeten Begriff “Science” sind, dem anglikanischen Sprachgebrauch entsprechend, in den allermeisten Fällen – aber nicht ausschließlich – die Naturwissenschaften gemeint. In der deutschen Übersetzung wurde (wie auch schon im Eurobarometer-Artikel der vor zwei Wochen im ScienceBlog erschien) der einheitliche Begriff ›Wissenschaft‹ verwendet.

Abkürzungen

NAS: National Academy of Sciences. Die bekannteste aller Akademien der Wissenschaften, wurde vor 151 Jahren gegründet und hat es sich zur Aufgabe gemacht die Naturwissenschaften in den US zu fördern. Zusammen mit der National Academy of Engineering (NAE), dem Institute of Medicine (IOM) und dem National Research Council (NRC) berät die NAS die amerikanische Nation in unabhängiger und objektiver Weise zu Fragestellungen in Naturwissenschaften, Technologie (Science and Technology) und Gesundheitsasdpekte. Die Mitglieder der NAS gehören zu den weltbesten Wissenschaftern (nahezu 500 wurden bereits mit dem Nobelpreis ausgezeichnet). Fünf Autoren in unserem ScienceBlog sind Mitglieder der NAS.

Details zu den Organisationen NAE, NRC und IOM sind auf der enorm informativen Homepage der NAS zu finden: http://www.nasonline.org/

PNAS: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. Eines der besten, und meistzitierten multidisziplinären wissenschaftlichen Journale .; von der NAS herausgegeben. http://www.nasonline.org/publications/pnas/


Weiterführende Links

Artikel in ScienceBlog.at: Was hält Österreich von Wissenschaft und Technologie? — Ergebnisse der neuen EU-Umfrage Spezial-Eurobarometer



Kommentare

Wie sieht's da bei uns aus?

Das liest sich ja ganz beeindruckend, was die Amis da so an flankierenden Maßnahmen auf die Beine stellen. Es drängt sich sofort die Frage auf, wie mit diesbezüglichen Aktivitäten in Good Ol' Europe aussieht? Und in Österreich?

Und in Östereich?

"Sagn's Travnicek, was halten Sie von Science and Technology?"

Travnicek: "Was brauch i des? I leb sehr guat a ohne alles des unnetige Zeug. Und aussadem: zeign`s ma an Politika, der wos wos davon vasteht - und trotzdem treffn die ihnare Entscheidungen für des, wie's mit da Science und da Furschung weitergehn soll."

Vor ein paar Tagen hat der

Vor ein paar Tagen hat der WWTF eine Online-Petition zur Budgeterhöhung der öffentlichen Finanzierung von Wissenschaft und Forschung initiiert.

Die Petition kann hier unterschrieben werden:
http://www.wissenschaft-ist-zukunft.at/index.php?file=home.htm

Nachzulesen unter: http://derstandard.at/1395056794901/Online-Petition-unterstuetzt-Budgetf...

Vielen Dank für den Aufruf!!

hoffentlich wird der Zuspruch höher, als es dem Stellenwert entspricht, den Wissenschaft bei uns hat. Bis jetzt haben schon mehr als 15 500 unterschrieben, der Großteil davon in Wien. In den Bundesländern ist das Ergebnis aber noch ziemlich mager (braucht man dort kein Geld?).

Wissenschaft und Unterhaltung

eine derartige, ernstzunehmende Initiative wäre auch bei uns überaus wünschenswert! Was man bei uns als Wissenschaft im TV zu sehen bekommt, ist aber haarsträubend.

Gestern habe ich die Dokumentation "Genmanipulation - eine globale Gefahr?" und auch die beiden folgenden Dokus in ORFIII gesehen. Ich war entsetzt von der Einseitigkeit der Darstellung und vor allem von der Panikmache, die hier betrieben wurde. Gruselig das Bild der armen Ratten, noch gruseliger aber die Angaben des Dr. Seralini zu seiner "einzigartigen" Studie und deren Ergebnissen. Der uninformierte Zuseher mußte zwangsläufig zur Ansicht kommen, daß verbrecherische Konzerne, korrupte Gesundheitsorganisationen und vor allem geldgierige Forscher an unser aller Untergang arbeiten.

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