Was hält Österreich von Wissenschaft und Technologie? — Ergebnisse der neuen EU-Umfrage (Spezial Eurobarometer 401)

Icon Politik & GesellschaftVor wenigen Wochen ist unter dem Titel „Verantwortliche Forschung und Innovation, Wissenschaft und Technologie“ die Analyse einer neuen, von der Europäischen Kommission beauftragten Umfrage erschienen [1]. Wie auch in früheren Studien wird darin eine unerfreuliche Einstellung unserer Landsleute zu Wissenschaft und Technologie ersichtlich, die getragen ist von Desinteresse, mangelnder Ausbildung und niedrigem Informationsstand. Im Gegensatz zu einer zeitgleich, im Auftrag des Wissenschaftsministeriums erfolgten Umfrage ähnlichen Inhalts aber anderen Schlussfolgerungen, gab es auf die EU-Analyse kein Echo - weder von Seite des Ministeriums noch von den Medien des Landes.

Inge Schuster„Österreich sagt Ja zur Wissenschaft“ und „Wissenschaft und Forschung genießen in Österreich hohes Ansehen“ – mit diesen und ähnlichen Worten frohlockten die Medien unseres Landes im August 2013. Grund für diese Jubelmeldungen waren Ergebnisse einer Umfrage zur "Bedeutung von Wissenschaft und Forschung für die österreichische Bevölkerung", die im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft und Forschung von dem Institut Ecoquest Market Research & Consulting GmbH durchgeführt worden war. Eine österreichweite telefonische Befragung von rund 1000 (über 16 Jahre alte) Personen hatte deren überwiegend positive Einstellung aufgezeigt: so befanden rund 80%, daß Wissenschaft das Leben leichter, gesünder und angenehmer mache und die Förderung von Wissenschaft und Forschung eine wichtige Aufgabe der Politik wäre, 74%, daß Forschung essentiell für Österreichs Wohlstand und wirtschaftliche Entwicklung wäre. Eine Mehrheit (59%) bekundete Interesse an Wissenschaft und Forschung, 45% meinten diesbezüglich auch gut informiert zu sein.

Auf eine Aufzählung weiterer positiver Antworten wird hier mit Rücksicht auf eine ansonsten unzumutbare Länge des Blog-Artikels verzichtet und auf die Berichterstattung in den Medien hingewiesen. Es erscheint allerdings unverständlich, daß eine Studie mit offensichtlich so erfreulichen Ergebnissen nicht in detaillierter Form online frei zugänglich ist und auch ein diesbezüglicher Hinweis auf der Homepage des Ministeriums fehlt.

Noch unverständlicher ist es aber, daß die Ergebnisse einer zeitgleich erfolgten EU-Umfrage – Spezial Eurobarometer 401 - zur Einstellung der EU-Bürger zu Wissenschaft und Technologie [1] – überhaupt keine Erwähnung fanden – nicht von Seiten der zuständigen Ministerien, nicht von Seiten unserer Medien.
Zugegeben, das Eurobarometer sieht unser Land durch eine nicht ganz so rosarote Brille. Zwar meinte auch hier die Mehrheit der Befragten (78%), dass der Einfluss von Wissenschaft und Technologie auf die österreichische Gesellschaft insgesamt positiv ist (EU27: 77%). Wie schon in der vorhergegangenen Umfrage (Spezial Eurobarometer 340 [2]) erscheint aber auch hier die allgemeine Einstellung der Österreicher zu Wissenschaft und Technologie geprägt von Desinteresse, alarmierend niedriger Bildung und mangelnder (Bereitschaft zur) Information.

Was ist unter „Spezial Eurobarometer 401“ zu verstehen?

Im Frühjahr 2013 wurde im Auftrag der Europäischen Kommission eine Umfrage in den 27 Mitgliedsländern (plus in dem gerade-noch-nicht Mitglied Kroatien) durchgeführt, welche die allgemeinen Ansichten der Bevölkerung zu Wissenschaft und Technologie erkunden sollte. (Dabei sollten unter dem Begriff "Wissenschaft und Technologie" – entsprechend dem englischen „Science and Technology“ - die Naturwissenschaften wie Physik, Chemie und Biologie und deren Anwendung in den Bereichen Technologie und Verfahrenstechnik, wie z.B. in der Computertechnik, Biotechnologie und bei medizinischen Anwendungen verstanden werden [1]). Dazu schwärmte ein Heer von Interviewern aus, um in jedem Mitgliedsstaat jeweils rund 1000 Personen in ihrem Heim und in ihrer Muttersprache zu befragen - insgesamt 27 563 Personen aus verschiedenen sozialen und demographischen Gruppen. In diesen persönlichen Interviews wurden Fragen vor allem zu folgenden Themenkreisen gestellt:

i. Zur Beschäftigung europäischer Bürger mit Wissenschaft und Technologie (Grad des Interesses und der Information, Bildung/Nähe zur diesen Gebieten),
ii. Zum Einfluss von Wissenschaft und Technologie auf die Gesellschaften (auf Lebensqualität, auf das Leben in der Zukunft, Rolle des ethischen Verhaltens in der Forschung, Zugang zu Forschungsergebnissen),
iii. Zur Bedeutung der Ausbildung junger Menschen in Wissenschaft und Technologie und diesbezügliche Rolle der nationalen Regierungen,
iv. Zur Berücksichtigung der Bedürfnisse von Männern und Frauen in der wissenschaftlichen Forschung.
Ein Teil der Fragen deckte sich mit denen in der vorangegangenen Studie im Jahre 2010 [2] und auch noch früheren Studien und erlaubte so Trends von Meinungsverschiebungen aufzuzeigen. Die Analyse der Umfrage wurde am 14. November 2013 u.a. auch in deutscher Sprache, unter dem Titel „Verantwortliche Forschung und Innovation, Wissenschaft und Technologie – Spezial Eurobarometer 401“ veröffentlicht [1]. Es ist ein frei zugänglicher, 223 Seiten starker Bericht.
Aus der Fülle der Ergebnisse soll in den folgenden Abschnitten im Wesentlichen nur auf Österreichs Haltung bezüglich der unter i) und iii) angeführten Punkte eingegangen werden.

Wieweit sind Österreicher an Wissenschaft und Technologie interessiert, wieweit darüber informiert?

Hier tritt ein deutliches Nordwest-Südost Gefälle zutage: Einwohner südlicher und vor allem östlicher Länder bekundeten geringeres Interesse an Entwicklungen in Wissenschaft und Technologie und fühlten sich darüber weniger häufig informiert. Österreichs Haltung ist hier vergleichbar mit der von ehemaligen Ostblockländern.
Die Frage, ob sie an Entwicklungen in Wissenschaft und Technologie interessiert wären, bejahte die Mehrheit (53%) der befragten EU-Bürger, wobei die meisten Interessierten – bis zu ¾ der Bevölkerung - in Staaten wie Schweden, UK, Dänemark, Luxemburg, Niederlande zu finden waren. Österreich lag mit 45% Interessierten am unteren Teil der Skala – nur die ehemaligen Ostblockländern Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Tschechien zeigten noch weniger Interesse (Abbildung 1).

Über alle Länder gesehen ergab sich eine starke Korrelation von Interesse und Informationstand, wobei das Interesse generell höher angegeben wurde als der jeweilige Informationsstand. Im EU27-Schnitt gaben 40% der Bürger an informiert zu sein, der höchste Informationsgrad (bis zu 65%) war in Dänemark, Schweden, Luxemburg, UK, Frankreich zu finden. Österreich lag mit 30% Informierten wieder im unteren Bereich der Skala, nur Rumänien, Bulgarien und Ungarn lagen noch tiefer (Abbildung 1).

Umfrage InformationsstandAbbildung 1. Je höher das Interesse an Entwicklungen in Wissenschaft und Technologie war, desto höher bezeichneten die Befragten ihren Informationsstand. Österreich liegt hier im Schlussfeld. (Die Staaten sind mit Symbolen ihrer Flaggen gekennzeichnet: Quelle: [1])

Es ergibt ein sehr bedenkliches Bild für Österreich, wenn hier eine Mehrheit der Befragten (52%) konstatiert an Entwicklungen in Wissenschaft und Technologie weder interessiert noch darüber informiert zu sein. Nur Bulgaren, Tschechen, Ungarn und Rumänen zeigten sich noch desinteressierter und uninformierter (Abbildung 2). Dieses traurige Ergebnis dürfte jedoch eine prinzipielle Einstellung widerspiegeln:

In der EU-Umfrage im Jahr 2010 hatten 57% der befragten Österreicher den Satz bejaht „Kenntnisse über Wissenschaft und Forschung zu besitzen, ist für mein tägliches Leben nicht von Bedeutung“ – dies war damals die höchste Zustimmungsrate unter allen EU-Ländern. Nur 25% der Österreicher hatten diesen Satz verneint; dies war die niedrigste Ablehnungsrate unter den Ländern (das EU27-Mittel war 33% Zustimmung, 49% Ablehnung [2], [3]).

Interesse ÖsterreichAbbildung 2. Die Mehrzahl der befragten Österreicher gibt an, an Entwicklungen in Wissenschaft und Technologie weder interessiert noch darüber informiert zu sein. (Quelle [1])

In Anbetracht ihres niedrigen Interesses und Informationstandes erscheint es allerdings bemerkenswert, daß die Mehrheit unserer Landsleute (55%) dennoch verlangt, an Entscheidungen über Wissenschaft und Technologie beteiligt zu werden – gleichviele wie im EU27-Schnitt, wobei dieser jedoch einen wesentlich höheren Anteil an interessierten EU-Bürgern verbucht.

Wer sind die Uninteressierten und Uninformierten?

Dies geht aus einer soziodemographischen, nicht nach Nationen aufgeschlüsselten Analyse der Antworten aller 27 563 befragten EU-Bürger hervor, die zweifellos auch auf Österreich zutrifft. An Hand einer Reihe von Variablen wie Geschlecht, Alter, Bildung und Beruf wurden die Antworten nach den Kategorien eingeordnet: i) interessiert und informiert, ii) interessiert aber nicht informiert, iii) nicht interessiert, aber informiert und iv) nicht interessiert und nicht informiert.

Die Zugehörigkeit zur Kategorie „interessiert und informiert“ ebenso wie zu „nicht interessiert und nicht informiert“ erwies sich deutlich abhängig von Geschlecht, Bildungsniveau, Berufsbild und Alter. Zur Kategorie „nicht interessiert und nicht informiert“ gehörten:

48% der Frauen, aber nur 31 % der Männer
48% der Personen, die 55 Jahre und älter waren,
60% der Personen mit dem niedrigsten Bildungsniveau,
57% der Hausfrauen/-männer,
60% der Personen, die nie das Internet nutzen,
55% der Personen, welche negative Auswirkungen der Wissenschaft auf die Gesellschaft befürchteten.

Ob und wie auf Menschen dieser Kategorie Information zugeschnitten werden kann, die das Interesse an Naturwissenschaften zu wecken vermag, ist mehr als
fraglich. Zweifellos kann dies aber bei den rund 15% unserer Mitbürger der Fall sein, die angaben interessiert aber nicht informiert zu sein.

Woher können Österreicher wissenschaftliche Informationen beziehen?

Information aus Unterricht/Studium

Österreich erzielte hier ein besonders schlechtes Ergebnis: Auf die Frage:

„Haben Sie jemals Wissenschaft oder Technologie als Schulfach gehabt oder an einer Fachhochschule, einer Universität oder irgendwo anders studiert?“

gaben nur 21% der Österreicher an Fächer aus diesen Wissensgebieten in der Schule (11%), an der Hochschule (8%) oder anderswo (2%) studiert zu haben. Im EU27-Schnitt bejahten 47% diese Frage, wobei 31% die Schule nannten, 14% die Universität und 2% andere Bildungsorte.

Noch weniger Ausbildung in diesen Fächern als in unserem Land nannten nur noch Tschechen (17%) und Slowaken (13%).

In anderen Worten: 78% unserer befragten Landsleute hatten am Ende ihres Bildungsweges nichts über Wissenschaft/Technologie gehört/gelernt! (Abbildung 3).
Als wichtiger Punkt ist hier herauszustreichen: EU-weit hatten diejenigen, die angaben sich für Entwicklungen in Wissenschaft und Technologie zu interessieren, ebenso wie diejenigen, die sich darüber informiert fühlten, diese Gebiete auch häufiger als Schul- oder als Studienfach gehabt, als die weniger Interessierten/Informierten.

Nähe zur WissenschaftAbbildung 3. “Nähe zur Wissenschaft”: persönlicher Hintergrund (Quelle: [1])

Wissenschaftliches Umfeld in der Familie

Die Frage „Hat oder hatte jemand in Ihrer Familie einen Beruf oder einen Universitätsabschluss im Bereich Wissenschaft oder Technologie?” bejahten 23% der EU27 Bürger, 76% verneinten sie. Österreich lag mit 18% Zustimmung auch hier unter dem EU27-Schnitt. Mit Ausnahme einiger ehemaliger Ostblockländer war die „familiäre Nähe zur Wissenschaft“ seit dem Jahr 2010 in fast allen Staaten gestiegen: im EU27-Mittel um 2%, in Österreich um 1%.

Andere Informationsquellen

Wie in allen anderen EU-Ländern war das Fernsehen auch in Österreich die am häufigsten genannte Informationsquelle (AT: 67%, EU27: 65%). An zweiter Stelle nannten 48% der befragten Österreicher Zeitungen – wesentlich mehr als im EU27-Schnitt (33%). Dagegen rangierte bei uns das Internet mit nur 20% der Nennungen wesentlich niedriger (EU27-Schnitt 32%).

Dazu ist zu bemerken, dass Wissenschaft - als wenig-Quoten-bringend – in unseren Medien eine nur sehr kümmerliche Rolle spielt: so hat das Staatsfernsehen ORF zwischen 2009 und 2012 eine bereits sehr niedrige Sendezeit noch um ein Drittel auf nun 1,22% der Gesamt-Sendezeit gekürzt [4]. So führen nur wenige unserer Printmedien eine Wissenschaftsrubrik – vor allem sind es nicht die Tageszeitungen mit der höchsten Reichweite. Auch werden komplexe Sachverhalte häufig nicht allgemein verständlich dargestellt, sind zum Teil auch nicht ausreichend recherchiert [5].

Danach befragt, welche Personen/Organisationen sie wohl am besten geeignet hielten, um die Auswirkungen von wissenschaftlichen und technologischen Entwicklungen auf die Gesellschaft zu erklären, nannten Österreicher – ebenso wie die Bürger anderer Länder in erster Linie (mit 66%) die Wissenschafter selbst. Deren Akzeptanz ist bei uns seit 2010 sogar um 10% gestiegen. In weiterer Folge wurden bei uns aber in einem wesentlich höheren Umfang Umweltschutzorganisationen (mit 33%) und Konsumentvereinigungen (mit 30%) angegeben als dies im EU-Schnitt (21 und 20%) der Fall ist (und es vermutlich auch deren wissenschaftlichen Kompetenzen entspricht). Die diesbezügliche Befähigung von Regierungsvertretern und Politikern ganz allgemein wurde bei uns und im EU-Schnitt als sehr gering (4 – 6%) erachtet.

Unternehmen Regierungen genug um das wissenschaftliche Interesse der Jugend zu wecken?

In den meisten EU-Ländern meinte die überwiegende Mehrheit der Befragten (EU27-Schnitt: 66%), daß ihre Regierungen diesbezüglich zu wenig tun, und nur 23%, waren gegenteiliger Ansicht.

Angesichts ihres niedrigen wissenschaftlichen Informationsstandes (Abbildung 2) und ihrer dürftigen Ausbildung (Abbildung 3), wäre eine vergleichbare Stellungnahme der Österreicher zu erwarten gewesen. Tatsächlich äußerte aber nicht einmal die Hälfte der Befragten (49%), daß die Regierung zu wenig unternimmt, 38% waren aber mit deren Tun zufrieden. Die „Zufriedenheit“ hatte gegenüber 2010 sogar um 6% zugenommen.
Ist dies ein weiteres Merkmal von Desinteresse, gepaart mit Abneigung gegen unverstandene Wissenszweige?

Umfrage MaßnahmenAbbildung 4. Unternehmen Regierungen genug, um das wissenschaftliche Interesse der Jugend zu wecken? (Quelle: [1])

Wie geht es weiter?

Wir leben und arbeiten in einer wissensbasierten Welt, deren Wohlstand und Qualität enorm von den naturwissenschaftlichen und technischen Fortschritten abhängt, von der Art und Weise wie wir diese nutzen, um die medizinischen, umweltspezifischen und sozioökonomischen Probleme zu lösen, mit denen unsere Gesellschaften konfrontiert sind. Zweifellos sind dafür eine naturwissenschaftliche Grundbildung und eine positive Einstellung zu diesen Wissenschaften erforderlich.

Die diesbezüglichen Ergebnisse der aktuellen Eurobarometer Studie für Österreich sind ernüchternd. Die Mehrzahl der befragten Österreicher ist an Wissenschaft und Technologie weder interessiert noch darüber informiert, hat auf dem Bildungsweg nichts über diese Wissenszweige gehört, ist aber trotzdem relativ zufrieden, mit dem was die Regierung tut, „um das wissenschaftliche Interesse der Jugend zu wecken“. Dazu kommt, daß in den bevorzugten Informationsmedien – Fernsehen und Zeitungen – Wissenschaftsberichterstattung zwar eine nur sehr untergeordnete Rolle spielt, daß diese aber (laut früheren Umfragen) als ausreichend betrachtet wird.

Was kann bei einem derartigen Grad an Desinteresse getan werden um den Stellenwert der Naturwissenschaften in unserem Land zu erhöhen? Wird man versuchen die Ausbildung der Jugend in diesen Fächern entscheidend zu verbessern? Werden die Medien des Landes einsehen, daß sie zur Bildung beitragen könnten und sollten? Oder wird ein Mantel von Desinteresse auch die peinlichen Ergebnisse von Umfragen verhüllen?

Ein eben veröffentlichtes Dossier der APA-Science „Forsche und sprich darüber“ [6] verweist auf einige bereits existierende Initiativen, beispielsweise auf „Die lange Nacht der Forschung“, die Kinder-Uni, Sparkling Science, das Science Center Netzwerk und auch auf unseren ScienceBlog.

Hier ist noch unbedingt die Initiative „Edutainment“ von Carl Djerassi anzufügen, die speziell auf die Erwachsenenwelt ausgerichtet ist und in Romanen und Theaterstücken Unterhaltung mit Wissensvermittlung verbindet [7].

Werden diese Initiativen mehr als nur punktuell Interesse für Naturwissenschaften wecken können?

Halten wir es hier mit Lao Tse: „Selbst die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt.“


[1] Verantwortliche Forschung und Innovation, Wissenschaft und Technologie, Spezial- Eurobarometer 401; November 2013 (223 p.) http://ec.europa.eu/public_opinion/archives/ebs/ebs_401_de.pdf
[2] Wissenschaft und Technik, Spezial-Eurobarometer 340; Juni 2010 (175 p.) http://ec.europa.eu/public_opinion/archives/ebs/ebs_340_de.pdf
[3 ] J.Seethaler, H. Denk Wissenschaftskommunikation in Österreich und die Rolle der Medien — Teil 1: Eine Bestandsaufnahme
[4] Quelle: ORF-Jahresberichte 2009, 2010, 2011, 2012 (alle open access)
[5] Scientific research in the media, Spezial Eurobarometer 282, Dezember 2007
[6] Dossier APA-Science: Forsche und sprich darüber
[7] ScienceBlog: Die drei Leben des Carl Djerassi

Weitere Artikel zur Wissenschaftskommunikation im ScienceBlog

J.Seethaler, H. Denk Wissenschaftskommunikation in Österreich und die Rolle der Medien. — Teil 2: Was sollte verändert werden?

G.Schatz: Stimmen der Nacht — Gedanken eines emeritierten Professors über Wissenschaft und Universitäten

G.Schatz: Gefährdetes Licht — zur Wissensvermittlung in den Naturwissenschaften

F. Kerschbaum: Die Wissenschaftler sind ja selbst schuld

G.Glatzel: Umweltökologie und Politik - Der Frust der nicht gehörten Wissenschaftler

R.Böhm: Signal to noise — Betrachtungen zur Klimawandeldiskussion



Kommentare

Hausfrauen & MINT

Aha, Hausfrauen verstehen nichts von Verfahrenstechnik und Biotechnologie. wahrscheinlich ist das einer der Gründe, warum die EU die Hausfrauen verbieten möchte.

Ich z.B. verfüge über recht gute Kenntnisse in der Medizin, aber über null Kenntnisse in der Chemie oder in der Verfahrenstechnik. Also zu wenig. Wir blöden Weiber werden noch alle ins Umerziehungscamp kommen.

In der Statistik kommt

In der Statistik kommt Norwegen als Nicht-EU-Mitglied nicht vor. Norwegen gilt als jenes Land, in dem Geschlechtergleichstellung etc. als am weitesten verwirklicht wurde, in dem aber die meisten Frauen in sogenannten Frauenberufen arbeiten, also keineswegs in der Verfahrenstechnik.
Susan Pinker (Psychologin, Achtung: Frauenberuf!) vertritt die Theorie, daß Frauen umso eher technische Berufe ausüben, je schlechter die wirtschaftliche Situation eines Landes ist. Im reichen Norwegen haben sie es nicht nötig, alle Maschinenbauerinnen und Eltrotechnikerinnen zu werden, wie das z.B. in den kommunistischen Ländern der Fall war. Die Gesellschaft in Norwegen kann es sich leisten, die Frauen ihre Jobs als Lehrerinnen oder Ärztinnen machen zu lassen. Die Medizin war hingegen in der Sowjetunion weitgehend ein Frauenberuf und sehr schlecht bezahlt. Ich verstehe schon, daß sie keine so strenge Naturwissenschaft, sondern viel mehr ärztliche Kunst ist als z.B. die Chemie, Aber irgendwie braucht man die Ärzte und Ärztinnen ja doch, nicht wahr? Es sind übrigens auch schon Diplomingenieure gestorben.

Susan Pinkers Bruder, Steven Pinker (Psychologe), berichtete in "The blank slate" über eine Statistik aus den USA, derzufolge sogar Mädchen, die die Mathematik-, Chemie- und Physik-Olympiaden ihrer Bundesstaaten gewonnen hatten, nach dem Schulabschluß alles mögliche studierten, Jus, Kunst, Sprachen, Medizin, Wirtschaft - aber eher nicht Mathematik etc.

Die Statistik spricht von 57

Die Statistik spricht von 57 % der Hausfrauen/-männer, die an Naturwissenschaften desinteressiert und darüber nicht informiert sind - es gibt also auch solche, die man mit entsprechenden Informationen erreichen kann (darauf hoffen wir mit ScienceBlog.at). Das Interesse für Naturwissenschaften hat zum Glück nichts mit der wirtschaftlichen Situation eines Landes zu tun. Absolventen dieser Fächer können ja keine üppige Besoldung und - vor allem in der Forschung - auch keinen nine to five job erwarten. Da dies für Frauen mit Familie häufig ein Problem darstellt, arbeiten sie lieber in Jobs, die eine fix geregelte Arbeitszeit vorsehen.

Frau Schuster, wieviele

Frau Schuster, wieviele Hausmänner kennen Sie? Ich kannte einen - in den Achtzigerjahren. Zum Glück gehörte seinem Vater eines der größten österreichischen Industrieunternehmen.
Da Sie so viel Wert auf einen gegenderten Sprachgebrauch legen: Wieviele Hausmänner gibt es in Österreich, und wieviele von diesen interessieren sich für Naturwissenschaften bzw. interessieren sich nicht für Naturwissenschaften?

Ich glaube, Absolventen der naturwissenschaftlichen Studienfächer haben ausgezeichnete Berufschancen. Neulich wurde bekannt, daß die OMV 1600(!) Geologen einstellen würde, daß die Universität für Montanistik im Fach Geologie pro Jahr aber nur 40 Absolventen hat. Wieviele Mädchen studieren eigentlich in Leoben? Und wieviele Mädchen studieren Kunstgeschichte? Sie glauben doch nicht im Ernst, daß die zahllosen Diplome der jungen Frauen in Kunstgeschichte, Psychologie oder Pädagogik NICHTS mit der wirtschaftlichen Situation, also einem finanziellen Background der Eltern dieser Studentinnen zu tun haben und daß man in den Gymnasien es lediglich unterlassen hat, ihr Interesse für Getriebe, Schmieröl oder Halbleiter zu wecken?

Unter den Studenten der Biologie (hoffentlich wird die wenigstens als Naturwissenschaft anerkannt) finden sich in Österreich ca. 65% Frauen, unter den Studenten der Physik nur 22%. Wie Simon Baron Cohen in Cambridge gezeigt hat, interessieren sich schon neugeborene, also noch völlig un-gegenderte Mädchen eher für Gesichter als für leblose Gegenstände.
Wenn man Frauen in Ruhe läßt, werden sie eher Wissenschaften zuneigen, die irgendeinen Bezug zu etwas Lebendigem oder zur Kommunikation haben.
Aus naturwissenschaftlicher (biologischer, ethologischer, physiologischer) Sicht hat dieses Verhalten etwas mit dem Hormonhaushalt zu tun. Nur Soziologinnen und Politologinnen halten Menschen für unbegrenzt plastisch, elastisch und erziehbar.

Liebe Frau Knaipp, persönlich

Liebe Frau Knaipp, persönlich halte ich gegenderte Schreibweise für Sprachverhunzung und verabscheue sie. Der Hinweis auf die Eurobarometer Umfrage ist allerdings ein Zitat, dh. incl Gender Unfug. Da ich mein Studium (Chemie, Physik) vor bald schon einem halben Jahrhundert abgeschlossen habe, möchte ich etwas richtigstellen: ein naturwissenschaftliches Studium hängt nur bedingt von der wirtschaftlichen Situation der Eltern ab. Zu meiner Zeit haben wir halt in Rekordzeit studiert und versucht daneben etwas dazu zu verdienen um unseren, heute durchaus als sehr arm eingestuften Eltern nicht allzu sehr zur Last zu fallen. Heute ist es viel, viel leichter geworden: es gibt jede Menge berufsbegleitende Studien, die über den Magister zum Doktorrat führen können (ich habe bis vor kurzem an einer derartigen FH unterrichtet, mehr als die Hälfte der Studenten war weiblich!). Ebenso weiß ich aus persönlicher Erfahrung von meinen weiblichen Mitarbeitern, Diplomanden und Doktoranden, daß das Interesse für Naturwissenschaften wohl da ist, dann aber im weiteren Berufsweg Aspekte dazukommen wie vor allem viel zu wenig Freizeit und Unverständnis des (nicht-naturwissenschaftlich interessierten) Partners, vielleicht auch Bequemlichkeit. Mit dem hormonellen, physiologischen Status hat dies zum Glück nichts zu tun! (Ich beschäftige mich seit rund 35 Jahren mit der Rolle diverser Steroidhormone.)

Frau Schuster, alles, was Sie

Frau Schuster, alles, was Sie sagen, ist richtig - aber Sie reden dennoch an mir vorbei.

Widerspruch im Blog?

lb Frau Dr. Schuster,

zuallererst muss ich mich dafür bedanken, dass ich über ihren Blog erst auf die Studie der Kommission aufmerksam gemacht wurde. Ich hatte Gelegenheit in den letzten Tagen, mich aus anderen Gründen mit ihrem Blog und der dahinterliegenden Idee näher auseinanderzusetzen.

Ich lese in ihrem Artikel - ich zitiere: „dass Wissenschaft - als wenig-Quoten-bringend – in unseren Medien eine nur sehr kümmerliche Rolle spielt: so hat das Staatsfernsehen ORF zwischen 2009 und 2012 eine bereits sehr niedrige Sendezeit noch um ein Drittel auf nun 1,22% der Gesamt-Sendezeit gekürzt [4]“

eine Einschätzung, welche ich nur teilen kann. Es irritiert mich aber, wenn im selben Blog andere Autoren zu völlig anderen Einschätzugen kommen, nämlich Denk und Seethaler.

„Das Verhältnis von Wissenschaft und Medien hat sich in den letzten fünfzehn Jahren deutlich gewandelt. Die Wissenschaftsberichterstattung, deren Bedeutung Mitte der 1990er Jahre noch als „stabil marginal“ galt - um den deutschen Kommunikationswissenschaftler Walter Hömberg zu zitieren –, ist heute ein fixer und wichtiger Bestandteil des Medienangebots, vor allem im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.“

In: Wissenschaftskommunikation in Österreich und die Rolle der Medien — Teil 1: Eine Bestandsaufnahme, vom 17. 10. 2013.

Dieser Widerspruch wäre wert, aufgeklärt zu werden. Denn Seethalers Einschätzung kann ich so nicht teilen. Speziell dann, wenn die 1,22% Sendezeit im ORF zum größten Teil zu nachtschlafener Stunde kommen, BR-Alpha nicht für alle empfangbar ist und dessen Österreich-Fenster auch dramatisch auf 1,5 Std/Woche gekürzt wurde.

Was für den Normalseher bleibt (und den meisten wahrscheinlich gar nicht auffällt) ist eine dramatische Erhöhung des Sportteiles - somit reine Werbefläche - wo nicht nur eine Veranstaltung selbst übertragen wird, sondern inzwischen schon ein Vor- und Nachspann zu jedem einzelnen Rennen eingebaut wurde. Alles was nichts mit Schi- oder Motorrennen zu tun hat, ist sowieso nicht vertreten.

Ebenso kann ich die Einschätzung von den anderen Personen im Forum teilen, dass offenbar nur als Wissenschaft gilt, was Ingenieurswissenschaften im weitesten Sinne ist. Das Format des Blogs erlaubte hier auch nicht die Darlegung der Fragestellung, ob wissenschaftliches Interesse die Kultur junger Menschen fördert. (Seite 141 ff.). Auch dort wird nicht differenziert, was ich als grobe Nachlässigkeit sehe.

Ansonsten vielen Dank für diesen Blog!

Heinz Egger

Lieber Herr Egger,

wir freuen uns sehr, daß wir mit Ihnen nicht nur einen kritischen Leser unseres Blogs dazu gewonnen haben, sondern auch jemanden, der seine Meinung postet! Dafür möchte ich Ihnen herzlichst danken - jede Antwort zeigt uns doch, ob und wieweit unsere Themen Gehör finden/verstanden werden und hilft uns nötige Veränderungen anzubringen.

Ohne auf die Geschichte des Blogs im Detail eingehen zu wollen – entstanden ist er aus der zunehmenden Frustration über die Ignoranz, die bei uns allem Naturwissenschaftlichem entgegengebracht wird, dem in der angestrebten Allgemeinbildung nur der niedrigste Stellenwert zukommt. Im Blog sollte daher das ganze Spektrum der Naturwissenschaften, ihrer Anwendungen und ihrer „Hilfs“wissenschaften zu Wort kommen (heute sehen wir dies allerdings nicht mehr als ein Spektrum, sondern als ein Kaleidoskop, in welchem Module aus einzelnen Disziplinen - in immer neuer Zusammenstellung - immer neue Disziplinen entstehen lassen).

Natürlich finden sich bei uns auch zahlreiche Artikel, die eine Brücke zu den Geisteswissenschaften/Wirtschaftswissenschaften/ Humanities spannen (z.B. von Jeff Schatz, Uwe Sleytr, Kathrin Sinner). Ausschließlich diesen Wissenschaften gewidmete Artikel haben wir aber nicht im Programm – das wäre von uns als 2-Personenteam nicht in kompetenter Weise zu managen. (Sie haben mich aber auf die Idee gebracht einen Themenschwerpunkt den „Naturwissenschaften, Brücke zu……“ zu widmen, danke!).

Nun zum Konkreten: Die von Seethaler-Denk vertretenen Thesen werden wohl verständlicher, wenn man im zweiten Teil ihres Beitrags liest, wie ihrer Meinung nach die Wissenschafts-Kommunikation in den Medien gestaltet/verändert werden sollte. (http://scienceblog.at/wissenschaftskommunikation-österreich-und-die-rolle-der-medien-%E2%80%94-teil-2-was-sollte-verändert-werden# ). Meiner persönlichen Meinung nach ist die Wissenschaftsberichterstattung – in welchen Medien auch immer – aber als marginal & schwindsüchtig anzusehen. Was der ORF unter Wissenschaft und Bildung ansieht, sind - dem Publikumsgeschmack entsprechend - vor allem Sendungen mit lieben Viecherln (Universum) und "Talks" mit z.T. nicht gerade sehr kompetenten Talkern. Die Ansiedelung zu nachtschlafener Zeit zeugt vom Stellenwert, den man diesen Sendungen beimisst. Die Sendezeit der grenzdebilen Werbeeinschaltungen dürfte wohl schon höher sein als die der "Wissenschafts"sendungen.

Zu den Fragen im Eurobarometer: auf viele durchaus wichtige Ergebnisse und auch auf dazu passende Daten aus OECD-Studien konnte ich aus Rücksicht auf die Länge meines Artikel nicht eingehen. Auf die Frage, ob wissenschaftliches Interesse die Kultur junger Menschen fördert, wäre ich aber auch sonst nicht eingegangen, weil ja nirgends im Bericht angesprochen wurde, was unter Kultur zu verstehen ist. Werden naturwissenschaftlich Interessierte also mehr Bücher lesen, oder häufiger Theater, Museen, Ausstellungen besuchen, oder weite Reisen unternehmen oder einfach nur mehr in ihre Bildung zu einer (selbst)kritischen, eigenständigen aber durchaus sozialkompetenten Persönlichkeit investieren? Ist es nicht Kultur, wenn man wissen will, was in uns und um uns herum vorgeht?

Danke für die ausführliche Antwort

Meine Beobachtungen decken sich mit dem, wie sie es in ihrer Antwort beschrieben haben, lb Frau Dr. Schuster. Die Problematik der Weitergabe ebenfalls. Es geht darum, das Feuer zu entzünden, dass junge Menschen ohne Druck bereit sind, gemeinsam mit anderen auf persönlicher Ebene - was ich für ganz besonders wichtig halte - und aus eigenem Antrieb sich neuen Themen zu widmen um Neues zu erfahren, Bestehendes weiterzuentwickeln. Als eine mögliche Aufgabe der Älteren?

Ich habe gerade den Artikel von Gottfried Schatz gelesen, in dem er über sich und - unter anderem - seine Unzulänglichkeiten geschrieben hat (Stimmen der Nacht). Einfach wunderbar.
Ich halte mit Kollegen gemeinsam Workshops in Schulen und Universitäten, bei denen wir einfach darüber erzählen, was hinter den Kulissen - in unserem Fall Wikipedia - steht. Zuallererst stelle ich immer das, an was alle glauben dass es stimme, wenn sie es lesen, grundsätzlich in Frage.

Das trifft genau das, was Schatz von einem Professor mitbekommen hat, dass er von dem, was er seinen Studenten vermittelt hat, sich nur für die Hälfte dessen als Wahr verbürgen kann. Und dass er aber leider nicht weiß, welche Hälfte das wohl wäre.

Es ist aber trotzdem erstaunlich, auf wieviel Interesse wir in den Schulen stoßen, mit welcher Konzentration uns über mehrere Stunden zugehört wird. Wohl deshalb, weil Wikipedia etwas ist, was jeder Schüler, jeder Student und wahrscheinlich überhaupt jeder mit Internetzugang ständig benötigt.

Hat man sich früher Gedanken gemacht darüber, wer den Brockhaus macht? Wohl kaum, man ging davon aus, dass es Raum mit vielen hölzernen Schreibtischen ist, rundherum bis an die Decke stapeln sich Bücher. Halt eine Redaktion im verstaubten Stil, Schilder, die um Ruhe bitten, in der einfach ein paar kluge Menschen arbeiten, mit Ärmelschoner, selbstverständlich. Was auch so ist/war. Irgendwann, als es den Brockhaus noch als einzige kompilierte Wissenquelle gab.

Der Hintergrund von Wikipedia ist da bei weitem ein anderer, wesentlich unklarer, weil sich keiner wirklich vorstellen kann, wie sowas funktionieren kann. Es funktioniert ja auch nur in der Praxis, theoretisch wäre es schon in den ersten Monaten gescheitert.

Um auf das Feuer zurückzukommen: Lesen ist eine Sache, schreiben und selbst gestalten eine andere. Erst beim Schreiben merkt jeder, wie schwierig es ist, zu einem befriedigendem Ergebnis zu kommen. Junge Menschen - nicht nur, auch viele deutlich Ältere - übernehmen damit plötzlich Verantwortung. Das kann - ob der Schwierigkeit - frustrierend sein, aber wenn es doch klappt, mit großem Stolz erfüllen. Denn, man wird gelesen und das was gelesen wird, ist dann das, was man selbst geschaffen hat. Auf einem Niveau, welches man sich selbst aussuchen kann: Wikipedia für den bürgerlichen Bildungsanspruch (na, ja...), ein Regiowiki (als neues Pilotprojekt für Österreich) für das, was einem um seinen Lebensmittelpunkt herum für bedeutsam erscheint. Mit weniger strengen Regeln als in Wikipedia.

Aber trotzdem geht es Wikipedia so wie der etablierten Wissenschaftsvermittlung auch. Wikipedia wird, obwohl fast unendlich oft abgerufen und verwendet, vielfach nicht für Voll genommen. Die Etablierten Wissensvermittler wiederum kämpfen damit, dass doch bitte endlich erkannt wird, dass niemand mehr im Elfenbeinturm sitzt und alles was sie tun, doch für jeden verständlich ist. Die Ablehnung der Bedeutung der Wissenschaften, wie in der Studie dargelegt, ist sicher auch auf diese Berührungsängste zurückzuführen, Ablehnung als Schutzmantel, sich selbst nicht einbringen bzw. Stellung beziehen zu müssen.

Ich bin ebenso wie Sie nicht der Meinung, dass man mit Wissenschaftsshows wirklich Wissen vermitteln kann, das ist doch eher ein Anekdotenzirkus. Nicht immer bummst, krachts und glitzert und explodierts in den Naturwissenschaften. Das Vermitteln ist auch eine Geduldsfrage, man muss halt irgendwann eine Pause machen wenn man merkt, dass sich Ratlosigkeit in einer Klasse oder im Auditorium breitmacht.

Wikimedia und Wissenschaft sind zwei Pole, die sich aufeinander zubewegen sollen. Wikipedia wird nie Wissenschaft sein, Wissenschaft wird ob seiner Aufgabenstellung nie ein Everybodies Darling werden. Das Eine als Arbeitsplattform, das andere als Quelle. Wenn die Quellen verständlich sind, wird das auch von Menschen umgesetzt werden können, die vielleicht nicht dümmer, aber eben doch nicht so versiert oder eloquent sind.

"Wikipedia meets University" nennt sich eine Veranstaltung, die am 15. März unter der Schutzfrauschaft von Prof. Ilse Reiter-Zatloukal im Juridikum im Dachgeschoß stattfindet. Hier werden wir gemeinsam ausloten, ob und wie wir uns in der Wissenvermittlung ergänzen können. Ich lade Sie gerne dazu ein.

Ihre Antwort passt hervorragend zum Thema!

Zweifellos spielt Wikipedia heute in der Wissensvermittlung eine ungeheuer wichtige Rolle, es ist eine nahezu unerschöpfliche Informationsquelle. Die Zahl der Artikel und auch ihre Qualität haben in wenigen Jahren eine unwahrscheinlich hohe Steigerung erfahren. Googelt man, um sich schnell über etwas zu informieren, so sind Wikipedia Artikel nahezu immer unter den ersten Resultaten zu finden. (Ich verwende u.a. häufig Abbildungen aus Wikipedia, um Artikel im ScienceBlog zu illustrieren und mir dabei keine Probleme mit dem copyright einzuhandeln.)

Niemand hat mehr Verwendung für die meterlangen Enzyklopädien in den Bücherregalen – in Monty Pythons Flying Circus hellseherisch vorweg genommen mit dem traurigen Ende der „unsuccessful encyclopedia salesmen“.

Wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Dort, wo es um naturwissenschaftliche Themen geht, gibt es das Problem der Verständlichkeit, vor allem für Laien. Natürlich existiert zu jedem vielleicht unbekannten Begriff ein weiterführender link, zu diesem link weitere links und so fort. Wenn aber ein Leser ohne entsprechende Vorbildung (laut Eurobarometer mehr als die Hälfte unserer Mitbürger) in einem kurzen Absatz bereits um die 15 unbekannte Begriffe sieht (willkürlich herausgegriffenes Beispiel: Albumin/Eigenschaften), wird er entweder darüber hinweglesen und wenig verstehen oder entnervt das Handtuch werfen – so wie es bei fremdsprachlichen Texten geschieht, wenn diese zu viele unbekannte Vokabeln enthalten.

Um wieder auf’s Eurobarometer zurückzukommen, so gibt es bei der Wissenschaftskommunikation zwei wesentliche Probleme: i) Wem kann, wem soll man trauen? und ii) mangelnde Verständlichkeit. Die befragten Österreicher, wie auch alle anderen EU-Bürger, sind in überwiegender Mehrheit der Meinung, daß Wissenschafter am besten geeignet sind um ihre Forschungsergebnisse auch zu erklären, sie beklagen aber gleichzeitig, daß es dabei mit der Verständlichkeit hapert. (Diesbezüglich genügt es sich die Postings zu Wissenschaftsmeldungen in Standard und Presse anzusehen.)

Hier setzen wir mit dem ScienceBlog an: Information kommt ausschließlich aus den jeweiligen Kompetenzbereichen seriöser, renommierter Wissenschafter und diese bemühen sich so verständlich wie möglich zu schreiben. Ein Leser ohne Vorbildung sollte einen Artikel in einem Zug lesen können und dann eine Ahnung haben, worum es sich dabei handelt. (Die Artikel von Jeff Schatz sind für mich leuchtende Vorbilder.) Vielleicht gelingt es damit sein Interesse zu wecken, vielleicht wird er sich dann auch weiterführende links ansehen. Natürlich sind dies dann online-Enzyklopädien – Fachliteratur bleibt unzugänglich, bedient sich ja einer fachchinesischen Sprache mit vielen Dialekten, welche selbst Forschern nahe verwandter Gebiete Schwierigkeiten bereiten.

"Wikipedia meets University" finde ich eine hervorragende Initiative! Wenn nichts dazwischen kommt, nehme ich gerne an der Veranstaltung teil. Vielen Dank für die Einladung!

nahezu unerschöpfliche Informationsquelle

Aber auch eine mindestens ebenso unerschöpfliche Quelle an "Desformation" und unnötigem Mist, der nur drin steht, weil irgendein Kleingeist glaubt, sich auf Kosten der Allgemeinheit verwirklichen muss und einen Enzyklopädieartikel mit einem Denkmal verwechselt.

Wo Menschen sind, da menschelt's.

P.S. Was ist denn hier los?`Das ist ja eine richtige Postingexplosion! Gratulation!

Der Begriff Wissenschaft

im Titel des EU-Reports ist eigentlich irreführend. Wenn man das Dokument herunterlädt, wundert man sich, dass man vergeblich nach Geistes-, Sozial-, Wirtschafts- oder Rechtswissenschaften sucht. Wo wird erklärt, was unter Wissenschaft zu verstehen ist? Wussten die Interviewten eigentlich, worum es sich handelt, wenn sie z.B. befragt wurden ob sie jemals Wissenschaft oder Technologie als Schulfach gehabt hatten?

soweit ich erfahren habe,

hat man den Befragten erklärt, was sie unter dem Begriff Wissenschaft verstehen sollten, nämlich, das, was im Englischen schlicht und einfach science heißt. Der Leser muß allerdings bis Seite 170 blättern, um zu erfahren, was gemeint ist. Ein Titel: "Naturwissenschaften und Technologie" wäre sicherlich präziser gewesen

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