Do, 03.09.2026— Inge Schuster
Kürzlich hat die Zeitschrift Nature über ein in China entwickeltes mikrochirurgisches Verfahren berichtet, das den Lymphfluss aus dem Gehirn erhöhen und damit die Beseitigung von Abfallstoffen des Gehirn-Stoffwechsels – u.a. der neurotoxischen ß-amyloid– und Tau-Protein- Aggregate - erleichtern soll. Diese erstmals 2020 an einem schwer an Alzheimer erkrankten Patienten durchgeführte Operation erwies sich angeblich als höchst erfolgreich, hat in China einen Hype ausgelöst und in Folge landesweit zu Tausenden solcher weitgehend unkontrollierter Eingriffe geführt. Die chinesische Regierung verlangt nun, dass derartige Verfahren nur mehr im Rahmen von klinischen Studien durchgeführt werden dürfen. Auch in anderen Ländern – u.a. auch in den USA – laufen bereits streng kontrollierte Studien, um Wirksamkeit und Verträglichkeit dieser möglicherweise erfolgversprechenden neuen Verfahren zu prüfen.
Seit Alois Alzheimer vor 120 Jahren charakteristische Eiweißablagerungen (Plaques) im Gehirn einer dementen Patientin entdeckte, gelten die nun als β-Amyloid-Plaques bekannten extrazellulären Läsionen und die intrazellulären Knäuel aus Tau-Protein als neuropathologische Kennzeichen der nach dem Arzt benannten Krankheit. Laut WHO ist die Alzheimerkrankheit (AD) für 60 -70 % aller weltweit auf über 55 Millionen geschätzten Demenzerkrankungen verantwortlich, deren Zahl bis 2050 auf 139 Millionen steigen soll [1].
Zur β-Amyloid-Kaskaden Hypothese
Bei von Alzheimer Betroffenen entstehen aus den primär für die Gehirnfunktion wichtigen, natürlich vorkommenden Proteinen aggregierte neurotoxische Formen – die β-Amyloid-Plaques und Tau-Protein-Knäuel - und führen sukzessive zum Absterben von Nervenzellen. Seit rund 40 Jahren ist die Forschung nach effizienten Behandlungsmöglichkeiten für AD von der Vorstellung dominiert, dass die Plaques die Krankheit auslösen, indem sie die Kommunikation zwischen den Nervenzellen beeinträchtigen und in Folge sich dann in den Zellen Tau-Protein-Knäuel bilden.
Wie eine Vielzahl an Studien mittels Autopsie, Analyse der Rückenmarksflüssigkeit (des Liquors) und vor allem der Positronen-Emisssions-Tomographie (PET) zeigt, steigt die Belastung mit diesen neurotoxischen Läsionen mit zunehmendem Alter an und ab einem gewissen Schwellwert nehmen die Symptome von Demenz zu: Plaques werden bereits bis zu 20 Jahre vor dem Beginn kognitiver Veränderungen beobachtet. Es braucht also lange bis diese (und andere) Veränderungen schlagend werden – AD wird dadurch eine Erkrankung des höheren Alters mit etwa 2 % Betroffenen im Alter von 65 – 69 Jahren, bereits 22 % der 85- bis 90-Jährigen und rund 36 % der über 90-Jährigen [1]. Es ist nicht verwunderlich, wenn bereits 80 % der Bevölkerung (nach 66 % im Jahr 2019) AD für einen normalen Teil des Alterungsprozesses halten [2].
Allerdings: Ein Vorliegen von AD allein auf Grund der Dichte der β-Amyloid-Plaques und Tau-Protein -Knäuel zu diagnostizieren erscheint problematisch, da keine strikte Korrelation zwischen der Zunahme der Läsionen und der Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten besteht - ein gewisser Anteil an Personen zeigt offensichtliche Resilienz gegenüber den neurotoxischen Aggregaten, d.h. weist trotz abnormal hoher Dichte von Amyloid-Plaques keine kognitive Beeinträchtigung auf. Mit zunehmendem Alter steigt deren Anteil: trifft dieser Befund auf rund 10 % der untersuchten 50-Jährigen zu, so nimmt er bei 70- bis 90-Jährigen auf 33 - 44 % zu. Auch gegenüber Tau Protein Knäuel besteht eine gewisse Resilienz und bis zu 20 % der hochbetagten Personen, die sowohl zu hohe Dichte an Amyloid-Plaques als auch an Tau-Protein Verklumpungen aufweisen, können bis zu ihrem Tod symptomfrei bleiben.
Die Ursache von AD ist zweifellos nicht allein auf die Entstehung von Amyloid-Plaques zu reduzieren; eine Untersuchung von resilienten Gehirnen könnte laut Gomez-Isla & Frosch „den Schlüssel zum Verständnis der 'Black Box' zwischen Ansammlung von Plaques und Verknäuelungen sowie kognitiver Beeinträchtigung liefern und mögliche neue Wege zu AD-Therapien weisen [3]“.
Gegen Alzheimer ist derzeit noch kein Kraut gewachsen
Es gibt derzeit keinen anerkannten Weg zur Prävention von AD und keine Methode das Fortschreiten zu stoppen oder gar umzukehren. Das liegt nicht daran, dass zu wenige mögliche Therapieansätze ausprobiert wurden oder weiter werden, sondern an deren enorm hoher Ausfallsrate von 99,6 % in der klinischen Prüfung (siehe dazu [4]). Die Liste der von FDA und EMA zugelassenen und heute erhältlichen Medikamente ist kurz und wenig zufriedenstellend.Bei sechs von acht Medikamenten handelt es sich um kleine synthetische Moleküle, die schon seit Jahrzehnten angewandt werden und einerseits durch Erhöhung des Neurotransmitters Acetylcholin die Kommunikation zwischen den Neuronen verbessern sollen oder andererseits übermäßig hohe Spiegel eines anderen Neurotransmitters – Glutamat – und damit eine Überstimulierung von Nervenzellen dämpfen sollen. Diese Medikamente können weder die pathologischen Veränderungen im Gehirn stoppen, verlangsamen oder umkehren noch die Krankheitssymptome stoppen oder verlangsamen.
Jünger der Amyloid-Hypothese glaubten mit der Strategie β-Amyloid-Plaques gezielt anzugreifen und zu entfernen den lang erhofften Durchbruch in der Alzheimer Therapie erreicht zu haben. Die Enttäuschung war groß, als die kürzlich von FDA und EMA für die Behandlung leichter kognitiver Beeinträchtigung zugelassenen Antikörper Lecanemab und Donanemab zwar β-Amyloid-Plaques aus den Gehirnen weitgehend entfernten, dies aber nur unwesentlich zur Verbesserung der kognitiven Parameter beitrug, dazu aber Nebenwirkungen wie Schwellungen und Mikroblutungen im Gehirn verursachte. Ein kürzlich erschienener Cochrane-Review zu den bis jetzt erfolgten klinischen Studien konstatiert: „Bei Menschen mit leichten Gedächtnis- und Denkproblemen (leichte kognitive Beeinträchtigung)/leichter Demenz infolge der Alzheimer-Krankheit führen anti-amyloide monoklonale Antikörper, die potenziell schädliche Ansammlungen von Amyloidproteinen im Gehirn angreifen und entfernen, im Vergleich zu Placebo wahrscheinlich zu geringem bis keinem Unterschied im Rückgang der Gedächtnisfunktion und Denkfähigkeit oder der Schwere der Demenzsymptome. Wahrscheinlich gibt es auch wenig oder gar keinen Unterschied in der Fähigkeit alltägliche Aktivitäten zu managen...Die Antikörper verursachen wahrscheinlich mehr Gehirnschwellungen und winzige (Mikro-)Blutungen als Placebo.“ [4] Die Empfehlung des Cochrane-Teams an Pharma: „Künftige Forschung zu krankheitsmodifizierenden Behandlungen der Alzheimer-Krankheit sollte sich auf andere Strategien konzentrieren.“ [4]
Ist die Entstehung von Alzheimer und anderen neurodegenerativen Erkrankungen ein Sanitärproblem des Gehirns?
Wenn irgendwo der Müll immer mehr wird, liegt das häufig nicht an einer übermäßigen Produktion sondern an einer ungenügend funktionierenden Müllabfuhr. Zahlreiche Forschungsergebnisse aus jüngster Zeit zeigen, dass eine gestörte Abfallentsorgung an der Pathogenese verschiedener neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson oder Amyotropher Lateralsklerose (ALS) aber auch an pathologischen Folgen von Schlaganfall, Infektionen, traumatischen Verletzungen, Hirntumoren bis hin zum Chronischen Ermüdungssyndrom (ME/CFS) maßgeblich beteiligt sein dürften. Bis vor kurzem war es überhaupt ein Rätsel, wie das Gehirn Abfallstoffe/Schadstoffe aus seinem überaus regen Stoffwechsel bis hin zu Partikel entsorgen kann: Anders als im restlichen Körper gibt es ja im aus Neuronen und Gliazellen bestehenden Gehirngewebe (Hirnparenchym) keine drainierenden Lymphgefäße. Erst vor wenigen Jahren konnten mit Hilfe modernster Imaging-Verfahren zwei Systeme zum Abtransport (zur Clearance) solcher Stoffe entdeckt werden: im Jahr 2012 das glymphatische System und 3 Jahre später ein Lymphsystem in der äußeren Hirnhaut (Dura mater). Diese Systeme wurden im ScienceBlog zeitnah und ausführlich beschrieben [5,6,7,8]. Zu dem im Folgenden behandelten mikrochirurgischen Eingriff sollten einige dafür wichtige Punkte kurz angesprochen werden:
Beim glymphatischen System handelt es sich um einen von den Endfüßchen der Gliazellen um die Blutgefäße herum (= perivaskulär) geschaffenen Transportraum. Über die in diesen Füßchen lokalisierten Wasserkanäle (Aquaporin-4) und angetrieben vom pulsierenden Blut tritt Cerebrospinalflüssigkeit (CSF – Liquor) in das Hirngewebe ein, mischt sich mit der Gewebsflüssigkeit (ISF - interstitielle Flüssigkeit) und verlässt es – beladen mit Abfallprodukten - über den perivenösen Raum, um vom subarachnoidalen Raum aus in die Lymphgefäße (mLV – meningeale Lymphgefäße) der Dura mater und über diese in die tiefen Lymphknoten im Nacken zu gelangen. Auf einem weiteren wichtigen Weg gelangt der Liquorabfluss entlang des Riechnervs durch die Siebplatte in den hinteren Nasenrachenraum (Nasopharynx), wo er über ein verschlungenes Netzwerk von Lymphgefäßen (NPLP - dem nasopharyngealen lymphatischen Plexus) zu den tiefen Lymphknoten im Nacken weitergeleitet wird [6]. Abbildung 1 zeigt eine vereinfachte schematische Darstellung der Abflusswege von Liquor/Lymphe aus dem Gehirn (oben) und der Bahnen, wie sie sich aus der 3D-Kartierung der Venen-Lymphgefäßkomplexe in der Dura mater mittels MRI ergeben haben (unten).
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Abbildung 1: Abflusswege von Liquor aus dem menschlichen Gehirn. Oben: Vereinfachtes Schema: 1) Weg des Liquors (grün): entlang des Riechnervs (gelb) - Siebplatte -Nasenrachenraum -Plexus von Lymphgefäßen (NPLP) - tiefe Lymphknoten im Nacken (dcLNs). 2) Weg über Lymphgefäße der äusseren Hirnhaut (MLV) entlang der Sinus (Ausschnitt: Superior Sagittal-Sinus - SSS) zu den dCLNs (Ausschnitt: mit Position der inneren jugularen Vene und der Carotis). 3) Perineuraler Weg über Hirnnerven oder Rückenmarksnerven zu entsprechenden Lymphhknoten. MLV: Meningeale Lymphgefäße, SAS: Subarachnoidaler Raum, (Bild: J. Ding et al., J.Alzheimmer Assoc. 2025. DOI:10.1002/alz.70709 . Lizenz: cc-by). Unten links: 3D-Kartierung der Lymphgefäße mittels MRI nach i.v. injektion eines spezifischen Markers (Gadobutrol). A) Versuchsanordnung, darunter B) schräge axiale Ebene mit Schnitt durch SSS und Sinus rectus (StS). C) Sagittale Ebene entlang der Längsachse der linken Vena jugularis interna (ijv), die sowohl den Kopf als auch den Hals abdeckt. Die die ijv umgebenden cLNs (Pfeile) wurden durch das Kontrastmittel verstärkt. Rechts: D) Schräg von hinten: Venensinuse (blau) SSS, transversaler Sinus (TS), sigmoider Sinus (SS), ica: innere Carotis. Lymphatischer Abfluss (gelb) um die Sinuse herum über gefäßähnliche und abgeflachte Vesikel. Unten rechts: Schematische Darstellung des venolymphatischen Komplexes in der Dura und der lymphatischen Abflüsse. CAV: Sinus cavernosus. (Quelle: L. Jacob et al., J Exp Med (2022) 219 (8): e20220035.https://doi.org/10.1084/jem.20220035. Lizenz cc-by) |
Glymphatisches und meningeales Lymphsystem (mLV) sind noch recht junge aber intensiv beforschte Gebiete; viele Fragen zu Funktion und Dysfunktion sind noch ungeklärt.
Zahlreiche unterschiedliche Mechanismen können eine Dysfunktion des glymphatischen Systems verursachen und die Clearance - von Schadstoffen beeinträchtigen. Diese beginnen bei einem gestörten Wassertransport durch fehlerhafte/fehlplatzierte Aquaporin-4-Moleküle und können weiters auf einer Blockierung des perivaskulären Raums u.a. durch Blutbestandteile, Proteinaggregate, Ödeme beruhen, auf einer Verringerung des arteriellen Pulses, auf einer Gefäßverhärtung, auf Entzündungen, die den perivaskulären Raum verändern bis hin zu Störungen des autonomen Nervensystems und Schlafstörungen [9].
Hinsichtlich des meningealen Lymphsystems (mLV) ist sehr, sehr viel noch unklar: über welche Wege Liquor, Stoffwechselprodukte, seneszente Zellen und Immunzellen in die Lymphgefäße gelangen, welche Art von Stoffen die mLV passieren können, welche Art von Schädigungen der Lymphgefäße mit neurologischen Erkrankungen in Zusammenhang stehen und mit welchen (physikalischen) Verfahren mLVs moduliert, ihre Dysfunktionen reguliert werden können [10]. In diesem Zusammenhang ist die Behebung einer potentiellen Verstopfung der lymphatischen Clearance von Amyloid-Plaques und Tau-Protein Aggregaten bei Alzheimer zu sehen.
„Eine umstrittene Operation bei Alzheimer wird genauer unter die Lupe genommen“
Unter diesem Titel ist vor rund 2 Wochen ein Artikel von Elie Dolgin in der Zeitschrift Nature erschienen, der über ein in China entwickeltes mikrochirurgisches Verfahren – eine sogenannte „lymphovenöse Anastomose im tiefen Nackenbereich“ (dcLVA) berichtet [11]. Das Verfahren zielt darauf ab, den Lymphabfluss aus dem Gehirn zu verbessern und damit die Clearance der für Alzheimer als kausal angesehenen Amyloid-Plaques und Tau-Protein-Aggregate zu erleichtern.
Die Technik einer lymphovenösen Anastomose ist nicht neu, seit fast 60 Jahren wird sie an Patienten zur Behebung von Lymphödemen (z.B. Elephantiasis) erfolgreich genutzt. Neu ist aber ein „supermikrochirurgisches“ Verfahren am Nacken, in dem winzige gestaute Lymphgefäße (teilweise unter 0,8 mm Durchmesser) mit nahegelegenen ebenso kleinen oberflächlichen Venen verbunden werden. Wie man sich eine derartige OP vorstellen kann, ist in Abbildung 2 schematisch dargestellt.
2020 hat der chinesische Neurochirurg Qingping Xie hat 2020 erstmals eine derartige Operation im tiefen Nackenbereich an einem greisen Patienten mit weit fortgeschrittener Alzheimerkrankheit durchgeführt.
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Abbildung 2: Wie die Lymphovenöse Anastomose im tiefen Nacken (dcLVA) erfolgt. (Bild aus: Q. Chen et al., 2025, Alzheimers Dement. 2025 Dec 29;21(12):e71038. doi: 10.1002/alz.71038; Lizenz cc-by.) |
Über den sensationellen Erfolg hat Xie 2022 berichtet und in einem (seit kurzem nicht mehr auffindbarem )Video dokumentiert: Anfangs sieht man ein nicht mehr reagierendes Häufchen Elend, das seine Familie nicht mehr erkennt. Nach wenigen Wochen kann der Mann klar sprechen, mit Hilfe gehen und seine Nächsten erkennen und 8 Monate später sogar unbeaufsichtigt herumgehen. Xie’s „atemberaubendes“ Ergebnis wurde 2023 auch auf einer Tagung in Madison (Wisconsin) vorgestellt und die sozialen Medien in China pushten die Verbreitung des Erfolgs. Zu diesem Zeitpunkt hatte Xie bereits weitere 60 Patienten - angeblich - erfolgreich operiert. Ein ungeheurer Hype führte dazu, dass rund 400 Krankenhäuser in China diese Operation für umgerechnet bis zu 30 000 US-$ anboten und einige Tausend Alzheimer-Patienten bis jetzt diesen Strohhalm der Hoffnung ergriffen haben.
Zu Xie’s Verfahren liegt bislang keine Evidenz aus randomisierten, kontrollierten klinischen Studien vor, nur Ergebnisse einzelner Fallstudien. Die Kritik von Fachexperten in China, USA und anderen Staaten am Design der Studien blieb nicht aus, vor allem in Hinblick auf die zu geringe Zahl an Probanden, die kurze Nachbeobachtungsdauer und das Fehlen randomisierter Kontrollgruppen, das auf Grund des Placebo-Effekts zu einer Überschätzung der Wirksamkeit führen kann. Die chinesische Regierung hat im vergangenen Jahr die bisherige routinemäßige Anwendung in der Klinik untersagt und einen weiteren Einsatz ausschließlich in Form von streng kontrollierten Studien verlangt. Inzwischen sind auf der US-amerikanischen Datenbank Clinicaltrials.gov unter „dcLVA“ mehrere kontrollierte, randomisierte, z.t Doppelblind-designte klinische Studien registriert.
Ein ganz wesentlicher Kritikpunkt an der Verknüpfung von Lymph-und Venengefäßen im Nacken ist deren mechanische Basis. Wenn Alzheimer ein Problem einer verstopften Abfallentsorgung ist, dann kann die Operation am untersten Ende des Abflusses nur bei Patienten wirken, deren Blockade in diesem Abschnitt liegt. In allen anderen Fällen – wenn der Engpass in der Clearance des glymphatischen Systems, der Lymphgefäße in der Dura oder im dichten nasopharyngealen Gefäßnetz liegt – bleibt der chirurgische Eingriff wohl wirkungslos. Nach den Gesetzen der Strömungslehre erhöht ein zusätzlicher Abfluss hinter einer Blockade nicht die Fließgeschwindigkeit vor der Blockade.
[1] World Health Organization, 2021: Global status report on the public health response to dementia (abgerufen am 30.09 2026)
[2] World Alzheimer Report 2024 | Alzheimer's Disease International (ADI) (abgerufen am 30.09 2026)
[3] T. Gomez-Isla & M.P. Frosch, Lesions without symptoms: understanding resilience to Alzheimer disease neuropathological changes. Nat Rev Neurol. 2022 June ; 18(6): 323–332. doi:10.1038/s41582-022-00642-9 [4]
Inge Schuster, 19.04.2026: Cochrane Analyse: Keine Evidenz für klinisch relevante Wirkung von Anti-Amyloid Antikörper-Therapien gegen Alzheimer Demenz.
[5] Inge Schuster, 17.6.2025: Nicht-invasive Messung der glymphatischen Abfallentsorgung in Echtzeit eröffnet neue Wege zur Prävention und Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen
[6] Inge Schuster, 12.02.2024: Zur Drainage des Gehirngewebes über ein Netzwerk von Lymphgefäßen im Nasen-Rachenraum.
[7] Redaktion,10.10.2017: Ein neues Kapitel in der Hirnforschung: das menschliche Gehirn kann Abfallprodukte über ein Lymphsystem entsorgen.
[8] Christian Wolf, 14.11.2024:Wie das Gehirn von Abfallstoffen gereinigt wird.
[9] Anwar Zahran et al., 2026. Glymphatic System Dysfunction in Central Nervous System Diseases. CNS Neuroscience & Therapeutics 32 (3) e70810. https://doi.org/10.1002/cns.70810
[10] Q. Zhang et al., Meningeal lymphatic drainage: novel insights into central nervous system disease. Signal Transduction and Targeted Therapy (2025) 10:142. DOI https://doi.org/10.1038/s41392-025-02177-z
[11] Elie Dolgin, A controversial Alzheimer’s surgery is getting a closer look. Nature 656 (13.08.2026), 286-289.doi: https://doi.org/10.1038/d41586-026-02448-x
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