Themenschwerpunkt: Synthetische Biologie — Leitwissenschaft des 21. Jahrhunderts?

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So wie die enormen Fortschritte der Molekularbiologie, Genetik und Biotechnologie die Biologie zu einer Leitwissenschaft des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts gemacht haben, so kann man die Synthetische Biologie als Wissenschaftsdisziplin bezeichnen, welche das Bild der Lebenswissenschaften (zumindest am Beginn) des 21. Jahrhunderts bestimmt. Auf der Biologie aufbauend ist die in den letzten Jahren entstandene Synthetische Biologie als Anwendung der Prinzipien von Ingenieurswissenschaften auf die Biologie zu verstehen. Dieses neue, rasant wachsende, interdisziplinäre Fachgebiet birgt ein beispielloses Potential an Einsatzmöglichkeiten: Für Grundlagenforscher bietet es leicht manipulierbare Systeme zur Erforschung der Funktion lebender Systeme. Das Nachahmen und Optimieren biologischer Strukturen und Funktionen und das Design maßgeschneiderter Systeme führt zu Produkten, welche breiteste Anwendung in Technik, Industrie und Medizin finden.

Der breiten Öffentlichkeit ist der Begriff „Synthetische Biologie“ noch kaum geläufig, diese wird – wenn überhaupt und dann je nach persönlichem Gesichtspunkt – als Ableger von Gentechnik oder Biotechnologie oder Informationstechnologie gesehen. Dementsprechend ist „Synthetische Biologie“ mit Empfindungen assoziiert, die von Desinteresse über gelegentliche Akzeptanz bis hin zu Argwohn, Besorgnis und krasser Ablehnung reichen. Sensationsberichterstattungen (etwa über „Frankenstein-Experimente“) in den Medien verstärken die Befürchtungen. Von der Seite der Wissenschaft erscheint es daher unabdingbar in einen Dialog mit der Bevölkerung zu treten, diese über die neue Technologie zu informieren und auf realistischer Basis zu diskutieren.

Siegel ÖAWIn diesem Sinne hat die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) vor einem Monat – anläßlich der Feierlichen Sitzung - ein Symposium über Synthetische Biologie veranstaltet. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurden wesentliche Schwerpunktthemen der Synthetischen Biologie, einschließlich ihrer Rezeption in der Öffentlichkeit angesprochen sowie Fragen der Biosicherheit von kompetenten Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland unter starkem Einbezug des Publikums diskutiert. Mehrere Vortragende haben ihre Manuskripte dem ScienceBlog zur Verfügung gestellt. Diese Artikel werden in den nächsten Wochen in lockerer Abfolge erscheinen.

Der Organisator des ÖAW-Symposiums, Uwe Sleytr, hat die Tagung eingeleitet und tags darauf den Festvortrag: „Synthetische Biologie - Eine Technologie auf der Basis der Bausteine des Lebens“ gehalten. Wesentliche Aspekte dieser Vorträge sind in seinem Artikel: „Synthetische Biologie – Wissenschaft und Kunst“ enthalten, der im vergangenen Jahr in unserem Blog (damals noch Science-Blog) erschienen ist. Dieser Artikel soll nun in das Schwerpunktsthema „Synthetische Biologie“ einführen.

Zu den spezifischen Anwendungen der Synthetischen Biologie ist bereits eine Artikelserie von Wolfgang Knoll erschienen: Die biomimetische künstliche Nase – wie weit sind wir?

Teil 1: Künstliche Sensoren nach dem natürlichen Vorbild unserer fünf Sinne

Teil 2: Aufbau und Funktion physiologischer Geruchssensoren

Teil 3: Konstruktion einer biomimetischen Nase

Der Natur abgeschaut: Die Farbstoffsolarzelle“

Weiterführende Links

Eine hervorragende Broschüre:
Synthetische Biologie: Eine Einführung. Zusammenfassung eines Berichts des European Academies Science Advisory Council (EASAC). 2011. (PDF-Download)



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