Kann Palmöl nachhaltig produziert werden?

Fr, 22.07.2016 - 06:06 — IIASA

IIASAIcon GeowissenschaftenEine neue Studie [1] zeigt auf wo und in welchem Umfang Palmölplantagen ausgeweitet werden können, ohne dass eine weitere Entwaldung von naturbelassenen, kohlenstoffreichen tropischen Wäldern erfolgt*

Laut einer eben im Journal "Global Environmental Change" erschienenen Untersuchung [1] könnten die Landflächen zur Produktion von Palmöl nahezu verdoppelt werden, ohne dass dafür geschützte oder sehr artenreiche Wälder geopfert werden müssten. Zum ersten Mal wird in dieser Studie eine globale Karte des für die Palmölproduktion geeigneten Landes erstellt, wobei gleichzeitig auch Auswirkungen auf Umwelt und Klima berücksichtigt werden. (Abbildung 1)

"Es gibt Raum, um die Palmölproduktion auszuweiten und dies auch in nachhaltiger Weise zu tun" sagt der Leiter dieser Studie, der IIASA-Forscher Johannes Pirker.

Die Palmölproduktion ist enorm angestiegen: von 6 Millionen Hektar Plantagen im Jahr 1990 auf 16 Millionen Hektar im Jahr 2010 - eine Fläche, die insgesamt der Größe Uruguays entspricht. Das Öl, das für's Kochen und als Nahrungsmittelzusatz verwendet wird, macht rund 30 % aller weltweit verbrauchten Pflanzenöle aus.

Abbildung 1. Ölpalmenplantage in Malaysia und Ölfrüchtein Kamerun (Bild:Links Wikipedia, public domain; rechts: credit IIASA, Aline Soterroni)

Palmöl wird kontroversiell gesehen, insbesondere, weil seine gesteigerte Erzeugung ja auf Kosten artenreicher tropischer Wälder erfolgte, die geschlägert wurden, um Raum für neue Plantagen zu schaffen. Andererseits hat der Anbau von Palmen aber Millionen Menschen in Indonesien und Malaysia - den Hauptproduzenten von Palmöl - aus der Armut herausgeführt. Ein bedeutender Teil der Öl-Produzenten sind ja Kleinbauern, deren primäres Einkommen von dieser Ware herrührt. Palmöl ist in Asien die Nummer 1 beim Kochen und mit der dort steigenden Bevölkerungszahl wird auch der Bedarf an Palmöl weiter zunehmen. Viele Entwicklungsländer trachten daher danach ihre Ölproduktion auszuweiten. Allerdings war bis jetzt nicht klar, wie viel Land dafür zur Verfügung steht. In der neuen Untersuchung [1] haben die Forscher nun eine globale Karte geschaffen - basierend auf Temperaturen, Niederschlägen, Geländeeigenschaften und Bodentypen -, die anzeigt, wodie Bedingungen für Palmölplantagen geeignet sind.

Von einer rein biophysikalischen Betrachtungsweise aus gesehen fanden sie, dass prinzipiell nahezu 1,37 Milliarden Hektar Landfläche für Ölpalmenplantagen in Frage kommen, es sind Flächen in Afrika, Zentral- und Südamerika und Asien (Abbildung 2: oben). Von dieser Gesamtfläche zogen sie dann die Gebiete ab, die bereits für andere Zwecke genutzt werden wie beispielsweise für Landwirtschaft, Wohnsitze und Städte. Dabei stützten sie sich auf die "hybrid land cover maps", die IIASA unter Zuhilfenahme von Crowdsourced Daten entwickelte.

Abbildung 2. Geeignete Flächen für Palmölplantagen und Ausschnitte von drei Regionen: Amazonas, Zentralafrikanische Küste und Borneo. Oben: Gesamtflächen.Unten: nach Abzug bereits genutzter oder geschützter Gebiete, unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeits-Kriterien. (Bilder aus [1], cc-license).

Schließlich schlossen die Forscher gesetzlich geschützte Flächen aus und ebenso Wälder, die hinsichtlich ihres Artenreichtums oder ihrer Kohlenstoffspeicherung als besonders schätzenswert schienen. Nach Abzug all dieser Flächen enthielt die Karte nun 19,3 Millionen Hektar geeignetes Land, das für eine zukünftige Ölproduktion zur Verfügung stehen könnte (Abbildung 2: unten). Das ist etwas mehr als die gegenwärtige Gesamtfläche – 18,1 Millionen Hektar – der Ölproduktion. Diese Karte kann heruntergeladen werden. Allerdings ist rund die Hälfte der neuen Flächen mehr als zehn Stunden Fahrt von der nächsten Stadt entfernt, sodass die Ölproduktion ökonomisch unrentabel erscheint.

"Diese Analyse wird sich gut eignen, um Landflächen für künftige Ölpalmenplantagen zu identifizieren und dies unter Berücksichtigung einiger grundlegender Umweltstandards. Die Pläne sind den Akteuren zugänglich und diese können sie mit lokalen Informationen verbinden, sodass es zu einer nachhaltigen Entwicklung kommt", meint Aline Mosnier, die an dieser Studie mitgearbeitet hat. Eine wachsende Aufmerksamkeit richtet sich auf das, wegen der Palmölproduktion erfolgende, Roden von Wäldern. Viele Firmen beginnen daher eine Zertifizierung der Nachhaltigkeit ihrer Lieferungen anzustreben.

Verbraucher und Firmen sollten nach Meinung der Forscher aber noch einen Schritt weiter gehen. Pirker sagt: "Es ist ein Irrtum, Palmöl verbieten zu wollen. Was wir statt dessen machen sollten, ist auf die Herkunft des Öls zu schauen: wer ist der Produzent und wo wird es produziert. Eine Zertifizierung ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Firmen, die sich der Nachhaltigkeit verpflichten, sollten genauer auf ihre Lieferanten sehen, und Konsumenten können dies von ihnen auch verlangen."


[1] Pirker, J., Mosnier, A., Kraxner, F., Havlik, P. and Obersteiner, M. (2016) What are the limits to oil palm expansion? Global Environmental Change 40, 73-81 doi:10.1016/j.gloenvcha.2016.06.007
*Der Blogartikel basiert auf der IIASA-Presseaussendung “Can Palm Oil be Sustainable?“ vom 21. Juli 2016. (http://www.iiasa.ac.at/web/home/about/news/160722-Palm_Oil.html ). Diese wurde von der Redaktion aus dem Englischen übersetz, geringfügig für den Blog adaptiert und mit Abbildungen versehen. IIASA ist freundlicherweise mit Übersetzung und Veröffentlichung seiner Nachrichten in unserem Blog einverstanden.

Weiterführende Links

Homepage IIASA: http://www.iiasa.ac.at/

Artikel von IIASA im ScienceBlog

11.03.2016 Saubere Energie könnte globale Wasserressourcen gefährden
08.01.2016: Klimawandel und Änderungen der Wasserressourcen gefährden die weltweite Stromerzeugung
25.09.2015: Verringerung kurzlebiger Schadstoffe – davon profitieren Luftqualität und Klima
07.08.2015: Ab wann ist man wirklich alt?
10.07.2015: Die großen globalen Probleme der Menschheit



Kommentare

Geht dies so weiter, ist der Schaden irreversibel

Ist die Frage berechtigt (ich denke, ja, sie ist es)?

Warum setzt nicht der Hebel dort an wo eigentlich die Grundbelastung auftritt?
Weswegen benötigen wir mehr als die Weltproduktion an biologischen Güter zur Verfügung stellen kann? Zusätzlich weiss man davon dass vieles einfach weggeschmissen wird und wenn, ein sehr sehr grosser Teil nicht einmal getrennt? Vielfach ist die Ursache dafür in der Logistik und dem Beliefern des Marktes zu finden. Wo ein grosses Bedürfnis besteht, wird auch ein dementsprechender Preis dafür bezahlt.

Gezwungenermassen eine nicht wirklich geschickte Darstellung einer Sichtweise die nicht hält was sie verspricht.

Aktuell braucht die Welt 1,7 Jahresproduktionen an Biomaterial. Sei es um sich zu ernähren, sich zu kleiden, oder um Wohnstätten zu erstellen, um Energien bereitstellen zu können, so wie weiteres. Heisst also, die Geburtenraten sollten zurückgenommen werden können. Dies geht am schmerzlosesten wenn ein Umstand einzutreten besteht.

Es wird garantiert dass im höchsten Mass die Überlebenschance von Neugeborenen gewährleistet ist. Die Schulung wird nicht gemäss den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes ausgerichtet und dieser erhält zweite Priorität, sondern die persönlichen Vorgaben und Eingnungen werden berücksichtigt die ein Individuum mitbringt. Im weiteren wird so das Kindeswohl erhalten und Kenntnisse darin in erster Linie vermittelt die es erlauben sich selbst als Zentrum zu empfinden dieses optimal zu versorgen und in soziale Harmonie zu bringen mit seinem Umfeld. Klingt dies bisher überzeugend?

So werden im späteren Verlauf persönliche wie soziale Fertigkeiten ausgebildet und gefördert. Erst darauf ist die Frage zu beantworten in welcher Eigenschaft der Beitrag am Gesamten erfolgen kann. Je mehr Freude mit im Feld ist, umso erfolgreicher kann es ablaufen. Unruhen werden weitgehendst bereits gar nicht entstehen, weil jeder weiss damit umzugehen. Stattdessen das gesellschaftliche Wohlbefinden steht im Vordergrund. Sich als Zentrum noch immer nicht vergessend.

Und wie nun soll es weitergehen? Wer sich mag, tut dies gegenüber anderen genauso, schätzt die Harmonie und das positive Zusammenwirken in der Gemeinschaft zum Wohle dieser. So ist auch erstrebenswert dass die zu versorgende Zahl an Individuen stabil bleibt. Ist dies erst einmal geschaffen, weswegen dann noch mehr Flächen anders verwenden als für das zu was sie bestehen und tauglich sind?

Sind wir das Zentrum, sind wir auch verantwortlich für das was um uns herum geschieht. Heisst jedoch auch, ein Wissen um Zusammenhänge zu erkennen muss vermittelt und verstanden werden.

Danke für das bisher entgegengebrachte Interesse.

Denn sagen tu ich dies aufgrund einer gewissen Datenkenntnis (unten stehend)

Dies, bezüglich der Beantwortung eines seit einiger Zeit bestehenden Interesse.

Frage: Gemessen an der Gesamtbiomasse, und der Ressourcen generell machen wir heute pro Jahr wieviel unwiederbringlich kaputt?

Antwort +/-:

Eine beeindruckende Zahl kommt aus einer Studie der Stanford University:
Die Kosten für Schäden durch Klimawandel über 1,5 Grad weltweit in diesem Jahrhundert
würden uns 30 Billionen $ kosten. Das sind 30.000 Milliarden oder 30x der Etat der NATO.
Die Kosten für die Umsetzung der Ziele wird auf 0,5 Billionen geschätzt.

Mit Ziel vor Augen:

Die Kosten wurden weltweit geschätzt und der Faktor dazwischen: 60x!
Das sind 6000%. Keine Ahnung, wer bei solchen Aussichten zweifelt, zögert, hadert, bremst oder
auch nur ein einziges Argument dagegen findet oder finden will... beim Einsatz nachhaltiger Verfahren.

Jegliche "Verbrennung" muss relativ rasch eingestellt werden.

In einem 2. Schritt können wir dann die Atmosphäre "reparieren" - wenn wir dann noch die
Möglichkeit haben. Ist irgendwie so wie die Sanierung der alten Giftmülldeponien ... nur viel
aufwendiger und umfangreicher. Das ganze muss eben auch mit Aufforstung - Einbremsung
des Bevölkerungswachstums usw. einhergehen.

Dazu braucht es kluge und mutige Politiker - mutige Industrielle - mutige Unterrichtende und
mutige Bevölkerungen - derzeit wechseln wir überall in Europa/auf der Welt zu populistisch/
nationalen Nichts-Aussagenden ....

Entweder schlecht erklärt/verkauft oder die Leute werden immer unwissender gehalten -
vielleicht beides?

ES GIBT ALSO NUR EIN VORWÄRTS UND KEIN ZURÜCK SCHREITEN. MIT ALLER VORSICHT AUSGEDRÜCKT,
UM GROSS ZU DEBATTIEREN UND SICH VORTEILE HERAUSZUPICKEN WIRD DIE ZEIT KNAPP.

ES GEHT ZUSAMMEN, oder ES GEHT NICHT.

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